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In unserer Reihe „Women for Women“ widmen wir uns Persönlichkeiten, die als Vorreiterinnen und Pionierinnen auf ganz unterschiedliche Weise für die Rechte von Frauen eingetreten sind. Dieses Mal geht es um die Aktivistin Helen Keller sowie ihre Lehrerin Anne Sullivan.
Frühe Jahre
Helen Keller kam 1880 in Tuscumbia, Alabama, zur Welt. Sie war ein lebhaftes Kind, ihre Eltern beschrieben sie als neugierig und aufgeweckt. Als sie mit 19 Monaten durch eine Hirnhautentzündung ihr Hör- und Sehvermögen verlor, waren die Jahre danach jedoch von Isolation geprägt. Kommunikation schien zu dieser Zeit kaum möglich, bis schließlich Anne Sullivan schließlich in ihr Leben trat.
Gemeinsamer Weg
Sullivan, selbst fast blind, wurde Kellers Lehrerin – und blieb ihre wichtigste Wegbegleiterin. Der Moment an einer Wasserpumpe, als Helen erstmals die Verbindung zwischen einem tastbaren Gegenstand und einem in ihre Hand buchstabierten Wort herstellte, wurde später symbolisch für ihren Neuanfang. Von da an öffnete sich Helen eine Welt, die nicht durch Augen oder Ohren zugänglich war, sondern durch ihren Geist, ihre Neugier und ihre Entschlossenheit.
Wissen ertasten
Helen lernte das Fingeralphabet, Lormen, Brailleschrift und Tadoma – eine Technik, bei der sie über Berührung die Bewegungen des Sprechens wahrnahm. Sie lernte sprechen, las ganze Bibliotheken in Blindenschrift und begann früh zu schreiben. Mit 16 Jahren wurde sie am Radcliffe College aufgenommen, wo sie vier Jahre später mit Auszeichnung abschloss – als erste taubblinde Frau. Anne Sullivan war dabei stets an ihrer Seite, übersetzte jede Vorlesung und jede Buchseite in ihre Hand.
Mit Mut voran
Doch Helen war mehr als eine fleißige Studentin. Sie nutzte ihre Bekanntheit auch, um sich in politische Debatten einzumischen. In ihren mehr als zehn Büchern, Artikeln, Vorträgen und Interviews sprach sie über Barrierefreiheit, über die Lebensrealität von taubblinden Menschen – und über strukturelle Ungleichheit. Früh trat sie der Sozialistischen Partei bei, engagierte sich gegen Krieg, für das Frauenwahlrecht, für Geburtenkontrolle und für die Rechte Schwarzer Amerikaner:innen. Sie verband ihre eigenen Erfahrungen mit einem gesellschaftspolitischen Blick, der deutlich machte: Ausgrenzung ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem. So wurde sie bis zu ihrem Tod 1968 und darüber hinaus zu einer Wegbereiterin für Menschen mit Behinderung.
Revolutionärin
Helen scheute sich Zeit ihres Lebens nie unbequem zu sein. Ihre Worte waren klar und ihre Analysen scharf. Wenn man sie fragte, was ihre Mission sei, antwortete sie schlicht und einfach: „Revolution.“
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Tjara-Marie Boine ist Redakteurin für die Ressorts Business, Leben und Kultur. Ihr Herz schlägt für Katzen, Kaffee und Kuchen. Sie ist ein echter Bücherwurm und die erste Ansprechpartnerin im Team, wenn es um Themen wie Feminismus und Gleichberechtigung geht.