Hawi D’Ehre – Triumvirat der Ehrlichkeit
In ihrem Podcast Hawi D'Ehre wird gelacht, gefrotzelt und philosophiert – Gabi Hiller, Philipp Hansa und Paul Pizzera servieren viel Herz, Hirn und Humor.
© Vanessa Hartmann
Backstage im Wiener Globe liegt Bühnenstaub und Vorfreude in der Luft, irgendwo klirrt eine Wasserflasche und zwischen den Garderobenräumen finden wir einen kleinen Tisch mit ein paar Sesseln, auf denen wir uns mit dem „Hawi D’Ehre“-Podcast-Trio niederlassen.
Gabi strahlt wie ein Bühnenscheinwerfer, Paul sitzt entspannt da, bereit für den nächsten gedanklichen Haken, und Philipp verteilt Pointen mit einer Selbstverständlichkeit, die irgendwo zwischen Größenwahn und Grandezza balanciert. Und mittendrin schwebt dieses Gefühl, dass hier drei Menschen sitzen, die einander tragen – und sich gleichzeitig genüsslich aufziehen.
Hawi D’Ehre, dieser Podcast, den Nora Spitzer laut Paul einst liebevoll „Seelenovela“ taufte, lebt von radikaler Offenheit, von Grant mit Glitzer und einer Ehrlichkeit, die sich wirklich authentisch anfühlt.

Ihr gebt im Podcast sehr viel Persönliches preis. Wie gut kennt man euch wirklich?
Gabi: Die Hawis kennen uns emotional ziemlich gut. Sie wissen, wie wir ticken, kennen Macken, Jugendsünden, Beziehungsfails. Aber sie sehen nur den Ausschnitt, den wir teilen. Wie bei einer guten Freundschaft – man weiß viel, aber nie alles.
Philipp: Wir beschönigen nichts. Vieles kennt man von Gesprächen mit Freunden: Man spricht es aus, danach geht’s besser. Ich erzähle fast alles, außer wenn ich jemanden schützen muss. Das ist Ehrensache.
Paul: Ich glaube schon, dass die Leute uns sehr gut kennen. Wir lesen E-Mails, begegnen ihnen live, beantworten Fragen. Dieses gegenseitige Annähern ist der Schmäh, darum hören uns die Leute so gerne.
Wie ist es für euch, in der Öffentlichkeit zu stehen?
Gabi: Ich mag’s wirklich. Wenn mich jemand auf eine Geschichte anspricht und daraus ein witziges Gespräch entsteht, ist das wie ein kleines soziales Vitamin D. Am schönsten ist es, wenn jemand sagt: „Es fühlt sich an, als säße ich mit euch am Tisch.“
Paul: Es gehört dazu. 99 Prozent sind wahnsinnig wertschätzend. Und wenn man glaubt, man sei zu prominent, fährt man 250 Kilometer nach Budapest – dort kennt dich keiner. Dieser Gedanke erdet.
Philipp: Wer hier der größte Star ist, muss man nicht extra erwähnen. Ich freue mich über jede Begegnung – wie ein Mini-Applaus für die eigene Arbeit. Und die Menschen nehmen ja auch viel mit von mir (lacht).
Gabi und Philipp, ihr seid langjährige sehr gute Freunde. Was macht eure Freundschaft aus und wie ergänzt Paul eure enge Bindung?
Philipp: Von Gabi weiß ich mittlerweile alles, was fast schon langweilig ist. Und dann kitzelt Paul mit seinen aberwitzigen Gedanken Dinge aus ihr heraus, die ich noch nicht wusste. Das macht mich glücklich. Unsere Freundschaft ist ein Perpetuum mobile der Glückseligkeit.
Gabi: Philipp und ich leben radikale Ehrlichkeit und Humor ist unser Airbag. Und dann kommt Paul – wie das dritte Bein beim Barhocker. Am Anfang glaubt man, man braucht’s nicht, aber ohne kippt alles um. Er bringt Tiefgang, Charme, Wahnsinn und philosophischen Grant mit. Ich möchte ihn keinesfalls missen.
Paul: Ich bin gern das fünfte Rad am Wagen. Manchmal ist das fünfte Rad nämlich das Lenkradl (lacht).
Wie geht ihr mit Stress um und was ist euer Ausgleich?
Paul: Ein paar Tage im Studio in Altaussee, Runde um den See, Bergtour, kochen, essen. Natur, Sunn’ und a guads Essen – das ist mein Reset.
Philipp: Es gibt Tage, da ist um neun Uhr früh die soziale Batterie leer. Dann helfen mir Fitnessstudio, ein Sellerie-Ingwer-Shot oder einfach Alleinsein. Alleinsein ist großartig.
Gabi: Ich funktioniere dank To-do-Listen. Und danach brauche ich Bewegung – Laufen, Spazieren, Crosstrainer, neuerdings Reformer Pilates.
Was ist für euch der Sinn des Lebens?
Paul: Es geht um die Haltung. Jeder ist unersetzlich für eine Gemeinschaft. Du entscheidest täglich, was du dir einpackst: Neid oder Nächstenliebe, Angst oder Altruismus.
Gabi: Das Leben ist ohnehin kurz, also: Spaß haben, lachen und am Ende sagen können, dass es echt und intensiv war. Wenn 2.000 Menschen wegen eines Gedankens von dir gut unterhalten sind, kommt das dem Sinn schon sehr nah.
Philipp: Für mich ist der Sinn des Lebens, das Verstreichen der Zeit zu genießen.
Wie geht ihr mit Zweifel um? Und wie schmal ist der Grat zwischen gesunder Selbstreflexion und Selbstzerstörung?
Gabi: Zweifel ist unser viertes Podcast-Mitglied. Gesunde Selbstreflexion heißt lernen. Selbstzerstörung heißt sich kleinreden. Dann sagen wir: „Heast, stop it.“ Freunde sind oft der Realitätsabgleich, den dein Kopf nicht schafft.
Philipp: Ein Freund von mir hat einen Song namens „Zweifelturm“ geschrieben, darin finden sich viele Wahrheiten. Zweifel sind Bausteine eines reflektierten Lebens. Wer keine hat, werfe den ersten Baustein.
Paul: Zweifel sind wichtig, man darf nur nicht verzweifeln. Es gibt einen Grund, warum die Windschutzscheibe größer ist als der Rückspiegel: Es geht einfach immer weiter.



Was würdet ihr eurem jüngeren Ich sagen?
Gabi: Hör auf dein Bauchgefühl. Falsche Entscheidungen machen die besseren Geschichten.
Paul: Stehe mehr zu dir und nimm dich früher so an, wie du bist.
Philipp: Wenn man das Leben als Gemälde betrachtet, dann gibt es darauf dunkle und helle Flecken und viel Buntes hoffentlich. Und ich bin mit diesem Gemälde zufrieden. Daher würde ich meinem jüngeren Ich nix raten, weil ich nichts anders machen wollen würde – und den Butterfly Effect nicht auslösen möchte.
Was tut ihr, um euch gegenseitig zu stützen, und wie geht ihr mit Druck um?
Philipp: Die ehrlichen Worte von Gabi und Paul helfen mir immer weiter, wenn ich unter Druck stehe.
Paul: Wir interessieren uns füreinander, auch für die Ecken und Enden, die nicht so von der Sonne beschienen sind. Ein wunderschönes Triumvirat, das sich gegenseitig jeden Erfolg gönnt und bei jeder Schieflage bereit ist, einzuschreiten.
Gabi: Wir liefern keine Perfektion, sondern wir liefern uns. Und wenn eine:r von uns zweifelt, dann erinnern die anderen ans Warum. Support heißt auch manchmal: „Heute redest du weniger. Ich übernehme.“
Zitat von Paul: „Erfolgreich ist der, der richtige Entscheidungen trifft. Glücklich ist der, dem es wurscht ist, obs die richtigen waren.“ Bereut ihr Entscheidungen in eurem Leben und wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
Paul: Ich bereue nur, wenn ich Menschen verletzt habe. Und dass ich mit dem Rauchen angefangen habe.
Gabi: Mir fällt keine Entscheidung ein, die ich bereue. Vielleicht ist Glück wirklich das Gefühl, mit seinen Entscheidungen Frieden zu schließen.
Philipp: Ich denke viel darüber nach. Es gibt sicher ein paar Entscheidungen, die ich heute anders treffen würde, aber was soll’s, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen.

Hawi D’Ehre Live
- März: Leonding
- März: Wien
- April: St. Pölten
- Mai: Horn
- Juni: Salzburg
- Juli: Wiener Kabarettfestival
- August: Wiener Neudorf
- September: Wien/Theater im Park
Pizzera & Jaus
ausgewählte Termine:
Wien: 8.3., 14.3., 26.5., 27.5.
Gloggnitz: 21.6.
Eisenstadt: 2.7. (ausverkauft)
Linz: 8.7.
Graz: 4.9.
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