Weniger ist mehr
Innsbruck Tourismus setzt 2026 auf Qualität statt Quantität: Authentische Erlebnisse, smarte Datennutzung und ein Fokus auf Lebensqualität sollen den alpinen Städtemix neu definieren.
© Unsplash/Paul Pastourmatzis
Reisende wollen heute mehr als nur Sehenswürdigkeiten, sie suchen echte Erlebnisse. Barbara Plattner, Geschäftsführerin von Innsbruck Tourismus, erklärt im Gespräch mit der TIROLERIN, warum Zukunftstourismus nicht auf maximale Besucherzahlen, sondern auf kuratierte Aufenthalte, smarte Steuerung und nachhaltige Lebensräume setzt. Die Trends für 2026? Weniger Masse, mehr Klasse – und ein neues Verständnis von Begegnung.

Welche Tourismustrends werden 2026 für Innsbruck entscheidend sein?
Barbara Plattner: Tourismus 2026 bedeutet für uns nicht Wachstum um jeden Preis, sondern mehr Qualität, mehr Balance und mehr Lebensqualität – für Gäste genauso wie für die Menschen, die hier leben. Viele Reisende haben heutzutage nicht mehr den Anspruch, alle Sehenswürdigkeiten „abzuhaken“, stattdessen wollen sie besondere Momente erleben – beispielsweise morgens Naturerlebnis bei einer leichten Wanderung, nachmittags Kaffee in der Stadt und abends ein Kulturevent.
Für uns ist also der Trend zu kuratierten Erlebnissen statt bloßer To-do-Listen maßgeblich – und zu charakteristischen, authentischen und unverwechselbaren Reisen. Für Innsbruck heißt das: Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Menschen möglichst schnell durch die Region zu schleusen – sondern Aufenthalte so zu gestalten, dass sie länger dauern, intensiver sind und besser zur Region passen.
Tourismus ist kein Selbstzweck, sondern auch ein Instrument für Lebensqualität. Ein Erlebnisraum, der für die Bevölkerung funktioniert, ist auch für Gäste attraktiv – nicht umgekehrt.

Tourismus ist kein Selbstzweck, sondern auch ein Instrument für Lebensqualität. – Barbara Plattner
Innsbruck Tourismus arbeitet zunehmend mit datenbasierten Analysen. Wie helfen Kennzahlen dabei, Tourismustrends nicht nur zu erkennen, sondern auch sinnvoll umzusetzen?
Klar definierte Kennzahlen erlauben uns, nicht nach Gefühl, sondern auf Basis von Fakten entscheiden und handeln zu können. Egal, ob es um Trends geht oder um harte Fakten wie Aufenthaltsdauer, Auslastung in Nebensaisonen oder wie viele Gäste mit Öffis statt mit dem Auto unterwegs sind – diese Zahlen zeigen uns, was wirklich wirkt – und wo es negative Entwicklungen gibt. So können wir Angebote gezielt weiterentwickeln und Informationen besser ausspielen.
Kurz: Daten helfen uns, Tourismus klüger zu steuern statt nur zu bewerben. Und auch in der Werbung können wir durch Daten sehr viel zielgerichteter die richtigen Kunden für die richtige Zeit ansprechen.
Gibt es einen Trend, den Innsbruck bewusst nicht mitmacht – wenn ja, welchen und warum?
Manche Orte setzen mit Social-Media-Hypes oder „schnellen“ Tagesbesuchen auf vermeintliche Quick Wins. Das entspricht nicht unserer Strategie, wir machen keinen Tourismus um jeden Preis – deshalb sind maximale Reichweite oder kurzfristige Peaks für uns auch keine Messgrößen.
Für uns zählen die Qualität und der Wert eines Aufenthalts – für die Gäste und für die Betriebe. Das ist nachhaltiger und trägt dazu bei, dass der Lebensraum im Sinne der Bewohner:innen nicht unter Druck gerät.

Immer mehr Gäste reisen außerhalb der klassischen Hauptsaison. Welche Trends sehen Sie beim Thema Ganzjahrestourismus – und wie verändert das die Ausrichtung der Region?
Gäste wollen flexibler reisen – und suchen ganzjährige Qualität und Angebotsvielfalt. Das bedeutet nicht, dass alles in der gesamten Region zwölf Monate geöffnet sein muss, aber es braucht eine stabile Angebotsstruktur, damit Gäste auch in der Nebensaison Planungssicherheit haben – auch bei Schlechtwetter.
Darum stärken wir besonders Angebote in saisonal schwächeren Monaten und ausgewogen verteilt auf alle sechs Erlebnisregionen, denn ein gesundes System strebt immer nach Ausgeglichenheit – das sorgt für Balance und Stabilität. Die Entzerrung von Saisonspitzen macht das Leben und Erlebnis in unserer Region für alle noch angenehmer.
Wie verändern sich die Erwartungen der „Gäste von morgen“ und wie reagiert die Region darauf?
Die Gäste von morgen (und auch schon von heute) erwarten unkomplizierte Services und Komfort. Dies beginnt bereits bei der Planung und hört bei nachhaltigen Mobilitätsangeboten vor Ort noch lange nicht auf. Maßgeschneiderte, individuelle Informationen werden großgeschrieben – vor und während des Urlaubs. Es geht um Orientierung statt um Informationsflut, um „echte“ Tipps statt überfüllter Hotspots.
Wir reagieren mit klarer Positionierung, besseren digitalen Services über unsere verschiedenen Kanäle, intelligenter Besucherlenkung und mit Angeboten, die einfach kombinierbar sind – Stadt und Berg, Kultur und Natur.

Maßgeschneiderte, individuelle Informationen werden großgeschrieben: Es geht um Orientierung statt um Informationsflut, um „echte“ Tipps statt überfüllter Hotspots. – Barbara Plattner
Was inspiriert die Reisenden der Zukunft? Sind es Naturerlebnisse, kulturelle Impulse oder ganz neue Formen der Inspiration?
Viele suchen heute das „Beste aus zwei Welten“: Naturerlebnis und urbane Annehmlichkeiten, spontan und nah beieinander. Inspiration entsteht dort, wo man sich wirklich verbunden fühlt – mit authentischen Orten, Menschen und Atmosphäre. Innsbruck ist nicht entweder oder, sondern die perfekte Kombination: alpin-urbane Vielfalt auf kleinstem Raum. Menschen suchen echte Erlebnisse, die sie emotional berühren und die gleichzeitig leicht zugänglich sind – genau das finden sie bei uns.
Immer mehr Reisen werden über soziale Medien entdeckt und geplant. Welche Rolle spielt dieser Trend für Innsbruck und wie geht ihr damit um?
Social Media spielt für uns eine große Rolle, weil es für viele der erste Berührungspunkt mit der Region Innsbruck ist. Mit kurzen Bewegtbildformaten wie Reels oder TikToks können wir unsere alpin-urbane Besonderheit sehr emotional vermitteln und echte Reiselust wecken.
Entscheidend ist dabei Authentizität: Wir setzen bewusst auf glaubwürdige Inhalte, arbeiten mit unterschiedlichen Content-Produzent:innen und User-Generated Content – so bleibt Innsbruck nahbar und im entscheidenden Moment der Reiseplanung „Top of Mind“.
Wenn Innsbruck einen Trend für die Zukunft setzen dürfte, welcher wäre es?
Dass Reisen wieder stärker als Begegnung verstanden wird – respektvoll, entschleunigt und im Einklang mit dem Lebensraum. Für uns heißt das: Tourismus, der Lebensqualität stärkt statt sie verdrängt. Dann profitieren Gäste und die Menschen, die hier leben.

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Tjara-Marie Boine ist Redakteurin für die Ressorts Business, Leben und Kultur. Ihr Herz schlägt für Katzen, Kaffee und Kuchen.
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