© Amir Kaufmann
Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik werden 50 – und feiern das mit einer als unaufführbar geltenden Barockoper, über 60 Veranstaltungen und Stars der internationalen Alte-Musik-Szene. Direktorin Eva-Maria Sens über das Programm und die Highlights des Jubiläumssommers.
Fünfzig Jahre Festwochen der Alten Musik in Innsbruck – das ist ein halbes Jahrhundert Barockoper, historische Aufführungspraxis und Konzerte an den schönsten Spielorten Tirols. Im Jubiläumsjahr 2026 wagen die Festwochen das Außergewöhnliche: Cestis „Il pomo d‘oro“ – eine Oper, die seit ihrer Uraufführung 1668 als unaufführbar gilt – kehrt erstmals auf die Bühne zurück.
Eva-Maria Sens, die Künstlerische Direktorin, spricht über Highlights, persönliche Freude – und den Mut zum Großen. Im Mittelpunkt des Jubiläumsprogramms steht Pietro Antonio Cestis „Il pomo d‘oro“ – eine Oper, die durch ihre Uraufführung zur Legende wurde.
Warum ist genau dieses Werk das richtige für das 50. Jubiläum?
Eva-Maria Sens: Ein Werk wie die ses stemmt man nur einmal – und wenn, dann zu einem Jubiläum. Die Oper gilt mit ihren 47 Solistenpartien, Chören, Ballett und ihrem Ausmaß als unaufführbar. Außerdem sind Teile der Musik verschollen, sodass Ottavio Dantone die fehlenden Passagen aus anderen Werken Cestis rekonstruieren musste. Cesti war der bedeutendste Hofkomponist, der je hier tätig war – nach ihm ist auch unser Wettbewerb benannt. Es kann daher nur einen Ort geben, an dem diese Oper statt findet – und das ist bei uns. Ottavio Dantone hat die verschollenen Teile rekonstruiert – Musik, die seit fast 360 Jahren nicht mehr erklungen ist.

Wie funktioniert diese musikalische Detektivarbeit?
Ottavio könnte diese Frage sehr viel besser beantworten als ich, aber ich versuche es mal: Es ist eine Kombination aus künstlerischer Überlegung und methodisch-musikalischem Denken. Dabei gibt der Text Rhythmik und Intention vor. Ottavio Dantone ist genau der Richtige für diesen Balanceakt – mit Leiden
schaft, musikalischem Verständnis und Wissen um Cestis Gesamtwerk.
Was sind Ihre persönlichen Highlights im Programm?
„Il pomo d’oro“ macht man einmal im Leben – die Oper ist also sicher ein Highlight. Besonders freue ich mich aber auch auf die vielen Künstler:innen, die den Sommer in Innsbruck sein werden. Beispielsweise Giovanni Antonini: Er ist derzeit der größte Weltstar, den es auf der Blockflöte gibt. Dass er gemeinsam mit Ottavio das letzte Konzert vor dem Cesti-Finale bestreiten wird, ist für mich ein würdiger Abschluss des Jubiläumssommers. Dazu kommen Stars wie Jean Rondeau, Anna Bonitatibus oder das Freiburger Barockorchester. Schlussendlich freue ich mich eigentlich auf jedes einzelne Konzert und alle unsere Künstler:innen.
Das Festival endet am 30.8. mit dem Finale des Cesti-Wettbewerbs, einem Gesangswettbewerb für junge Talente.
Haben Sie eine persönliche Erinnerung an einen Wettbewerbs-Moment, wo Sie dachten: Diese Stimme wird noch groß?
2015, in meinem ersten Jahr bei den Festwochen, hat Arianna Vendittelli den Publikumspreis beim Cesti-Wettbewerb gewonnen. Ich fand sie damals schon außergewöhnlich. Seitdem war sie jedes Jahr wieder da und ist heute eine der wichtigsten Sopranistinnen der Alten Musik-Szene. Dass sie diesen Sommer in zwei Konzerten zu hören sein wird, freut mich umso mehr – das ist genau die Art von Geschichte, die diesen Wettbewerb so besonders macht.

Welchen Zugang würden Sie jemandem empfehlen, der zum allerersten Mal zu den Festwochen kommt?
Am besten startet man mit einem Lunchkonzert im Hofgarten, das ist ein ganz unkompliziertes und offenes Format. Der nächste Schritt: Ein Abendkonzert. Es ist zum Beispiel ein ganz besonderer Genuss, Musik an einem Sommerabend auf Schloss Ambras zu erleben. Wer Geschmack gefunden hat, ist bereit für die Barockoper. Mein heißer Tipp: die Barockoper:Jung. Aber da muss man schnell sein, da sie meist im Jänner schon ausverkauft ist.
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