Hier kommt Nenda Neururer
Sie rappt über Nestroy, drehte für den BBC und spielte gerade erst bei den Wiener Festwochen. Die Ötztaler Musikerin Nenda Neururer ist überall – und dabei immer ganz sie selbst.
© Sun.films
Gerade war sie in Brighton auf der Bühne, Ende Mai spielte sie bei den Wiener Festwochen am Heldenplatz – und irgendwo dazwischen war sie noch in Belgien auf einem Dreh. Nenda Neururer, kurz NENDA, ist gerade überall.
Die Ötztaler Rapperin, Schauspielerin und Filmemacherin hat in London studiert und gearbeitet, ist in britischen Serien wie „The Rising“ und „Belgravia: The Next Chapter“ zu sehen, hat eine BBC-Comedy-Doku namens Oachkatzlschwoaf gemacht, 2025 ihr Debütalbum KRRRA veröffentlicht – und Anfang es Jahres den FM4-Amadeus Award gewonnen, den einzigen österreichischen Musikpreis, der zu 100 Prozent von den Fans bestimmt wird.
Zuletzt hat sie für das Tiroler Landestheater Nestroy vertont. Ein Gespräch über Biedermeier-Hip-Hop, das Aufs-Korn-Nehmen von Politikern und das beste Hotelfrühstück.

Der „Talisman“ hatte Premiere Ende April. Wie war das, die eigenen Texte und Musik zum ersten Mal auf der großen Bühne des Tiroler Landestheaters zu erleben – schon 2023 gab es ja mit „Safe Ground“ eine Zusammenarbeit. Fühlt sich dieses Projekt anders an?
Nenda Neururer: Es war sehr schön, die eigenen Texte und die Musik auf der großen Bühne zu sehen. Ganz was Besonderes – und die Schauspieler:innen haben das wirklich super ins Leben gerufen. Ich habe mich sehr gefreut, auch weil es eine Komödie ist und man einfach mal richtig deppert sein darf.
Im Vergleich zu „Safe Ground“ damals war es eigentlich ganz anders: Damals haben wir alles von Grund auf neu entwickelt, direkt mit den Tänzer:innen – man lernt sich so ganz anders kennen. Beim Nestroy-Stück war schon vorgegeben, wo die Musik vorkommt und was die Figuren dabei fühlen. Trotzdem haben wir noch weitere Musik dazugeschrieben. Beides schön, aber wirklich verschieden. „Biedermeier-Hip-Hop“ klingt nach einer spannenden Kombination.
Tourdaten 2026
- 7.06. Hallein (AT), Stadtfest
- 10.07. Stockenboi (AT), Woodstockenboi
- 11.07. Wien (AT), Kultursommer
- 31.07. Nürnberg (DE), Bardentreffen
- 01.08. Kirchdorf (AT), Rock im Dorf
- 10.09. Fehring (AT), Most & Jazz
- 11.09. Wien (AT), Support Kreiml & Samurai Arena Open Air
- 09.12. Wien (AT), FLUCC
- 10.12. Salzburg (AT), ARGE
- 11.12. Lienz (AT), Mukl
- 12.12. Kufstein (AT), Kulturfabrik
- 17.12. Innsbruck (AT), Treibhaus
- 18.12. Aarau (CH), Kiff
- 19.12. Winterthur (CH), Albani
Wie findet man als Rapperin einen Zugang zu einem 180 Jahre alten Text?
Das Wort hat mein Musikkollege Bernhard Neumaier geprägt. Der Zugang war eigentlich gar nicht so schwierig. Nestroy hat oft in Zweierreimen geschrieben, silbengezählt, sehr musikalische Texte – da kann man sich gut einfügen. Wir haben überlegt, wie man das so machen kann, dass man gar nicht mehr merkt, wo Nestroy aufhört und meine Texte anfangen. Das gelingt, glaube ich, ganz gut – weil er wirklich schön gereimt hat.
Titus Feuerfuchs wird in „Der Talisman“ wegen seiner roten Haare ausgegrenzt, und eine schwarze Perücke öffnet ihm plötzlich Türen. Was hat diese Figur für dich so interessant gemacht?
Das Thema der Ausgrenzung war natürlich nah, das kann man auf vieles im heutigen Leben anwenden. Aber eigentlich war es nicht Titus, mit dem ich mich am meisten identifiziert habe. Es war die Salome Pockerl. Sie singt darüber, wie die Männer es einfach besser haben. Das ist mein Lieblingslied aus dem Stück, das ich selbst geschrieben habe. Und ich finde es so toll, dass das in so einem alten Text vorkommt – wie Frauen anders behandelt werden als Männer. Schade, dass das vor 180 Jahren schon Thema war und heute immer noch so ist. Im Stück kommen Trump, Musk und Benko vor – mitten in einem Stück von 1840.
Wie schreibt man Texte, die in zwei Jahrhunderten gleichzeitig funktionieren?
Es ist eigentlich Nestroy-Tradition, die erste Strophe zu übernehmen und die weiteren an die aktuelle politische Lage anzupassen. Das war von ihm anscheinend so gewollt. Also ist es nur logisch, dass man heutige Politiker – bewusst nicht gegendert – aufs Korn nimmt. Das war auch eine Teamarbeit: Regisseur Dominique Schnizer hatte immer neue Ideen, wen man noch reinholen könnte. So entsteht das dann.
Du bist Musikerin, Schauspielerin, Komponistin und Filmemacherin. In welcher dieser Rollen fühlst du dich gerade am lebendigsten?
Ich mache diesen Spagat sehr gerne und bin froh um die Abwechslung. Gerade läuft die Musik sehr gut, also konzentriere ich mich darauf, aber ich lasse auch einfach auf mich zukommen, was kommt. Und ich bin immer gerne am Visuals basteln: einen Film schreiben, etwas drehen, ein Musikvideo machen. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß. Von London nach Wien, und immer wieder zum Arbeiten nach Tirol.
Wie fühlt sich dieses Leben zwischen den Städten an?
Es ist schön, so viel von der Welt mitzubekommen. Manchmal auch ein bisschen anstrengend: Schon wieder Zahnbürste einpacken, schon wieder eine Nacht in diesem Hotel, eine Nacht im nächsten. Aber worüber ich mich immer freue ist das Hotelfrühstück (lacht). Vor allem wenn es ein richtig gutes Buffet ist.
Den FM4-Amadeus Award hast du Anfang des Jahres gewonnen. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?
Sehr viel, vor allem weil es der Voting-Preis ist. Dass so viele Menschen dafür gestimmt haben, das ist eine echte Bestätigung. Eine Resonanz, die man nicht kaufen kann. Ich freue mich wirklich sehr darüber.
Dass so viele Menschen beim FM4-Amadeus Award für mich gevotet haben, bedeutet mir sehr viel.
Du hast einmal gesagt, Kunst ist dazu da, um Horizonte zu erweitern. Was war zuletzt etwas, das den eigenen Horizont erweitert hat?
Ganz untypisch für mich: ein Horrorfilm. „28 Years Later“ – ich schaue eigentlich nie Horrorfilme, aber den fand ich wirklich richtig gut. Er spielt nicht in der Stadt wie man das von Zombie-Filmen kennt, sondern in der britischen Countryside. Und es geht um einen Jungen, der versucht, seinen Vater zu beeindrucken – um toxische Männlichkeit, aber auch um die Beziehung zwischen ihm und seiner Mutter. Das hat mich wirklich sehr berührt. Ich habe ihn sofort ein zweites Mal angeschaut. Übrigens wurde er auf iPhones gedreht. Ich finde es sehr schön zu sehen, dass man so coole Sachen auch mit kleinen Geräten machen kann.
Was planst du als Nächstes?
Gerade bin ich wieder viel auf Tour: Nach dem Talisman war ich in Belgien auf einem Dreh für eine neue Serie, dann habe ich beim Great Escape Festival in Brighton gespielt. Auch bei den Wiener Festwochen war ich dabei – bei der Eröffnung am Heldenplatz. Und jetzt geht es weiter mit Konzerten und Festivals über den ganzen Sommer in Deutschland und Österreich, und im Winter dann meine eigene Tour. Ich würde mich freuen, wenn die Leute vorbeikommen.
Mehr zur Autorin:

Tjara-Marie Boine ist Redakteurin für die Ressorts Business, Leben und Kultur. Ihr Herz schlägt für Katzen, Kaffee und Kuchen. Sie ist ein echter Bücherwurm und die erste Ansprechpartnerin im Team, wenn es um Themen wie Feminismus und Gleichberechtigung geht.
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