See mit Bergen umrundet

Outdoor-Expertin Evi Schmidt über die Lehren des Waldes

Survival, Sonnenaufgänge und echte Selbstermächtigung: Wie Outdoor-Expertin Evi Schmidt Frauen in die steirische Natur führt – und warum sie dort finden, was sie im Alltag vermissen.

5 Min.

© Steiermark Tourismus/Michael Weberberger

Es ist ein unscheinbarer Parkplatz am Stadtrand von Graz, den Evi Schmidt als einen ihrer liebsten Geheimtipps nennt. Unter „Dr. Hans Fuchs Waldweg“ findet man ihn auf Google Maps. Dreißig bis fünfundvierzig Minuten aufwärts, und man steht auf der Fürwallnerhöhe – mit Blick auf den Schöckl und, wenn man Glück hat, sieht man einen Sonnenaufgang, der einem den Atem verschlägt. Wer nicht gut zu Fuß ist, kann ihn auch direkt vom Auto aus genießen. Die Steiermark hat solche Orte zuhauf. Man muss nur jemanden kennen, der einen hinführt. Outdoor-Expertin Evi Schmidt zum Beispiel.

Sich wieder spüren

Die Grazerin bietet seit 2022 Survival- und Outdoor-­Workshops an – und das mit einem klaren Fokus: Sie richtet sich ausschließlich an Frauen. Holz hacken, Feuer entfachen, eine Nacht im Wald schlafen – in einem Rahmen, der Raum lässt für Frust, Unsicherheit und am Ende: echtes Gelingen. Wer mehr will, kann sich ihrer Jahresbegleitung „WildWachsen“ anschließen und die Steiermark durch alle vier Jahreszeiten neu entdecken. „Wir sind gesegnet mit vielen Wäldern, Bergen, Bächen, Seen – wenn man sich ein bisschen aus dem städtischen Asphalt entfernt, findet man schnell wunderschöne Plätze, die einen erden und den Körper spüren lassen.“

So nah, so grün

Sie selbst lebt in Graz und hat keinen Wald in der direkten Umgebung. „Mit dem Rad bin ich aber in fünf Minuten im Eustacchio-­Wald in St. Peter, in dem es versteckte Wege, Teiche und Bankerl gibt“, sagt Evi. Wer etwas mehr sucht, findet es am Steinernen Wehr – ideal zum Camping mit Kindern – oder am Biwakplatz Weißwasser im Nationalpark Kalkalpen, wo Übernachten in der Natur legal und mit Feuerstelle möglich ist. Für Abenteuer­hungrige empfiehlt sie Canyoning in der Hieflau, wo man sich frei im wilden Wasser bewegen kann, oder eine Wanderung durch die Südsteiermark, wo auch die eine oder andere Einkehr möglich ist. Und das berühmte Dachstein-Frühstück? „Der soll atemberaubend sein, wenn nicht die Nebeldecke alles verdeckt“ – beim eigenen Besuch hatte sie mit dem Wetter noch kein Glück.

Was zählt, ist das Tun

Was all diese Orte gemeinsam haben: Sie verlangen nichts außer der Bereitschaft, aufzubrechen. Genau das ist es, was Evi Schmidt in ihren Workshops immer wieder erlebt. Frauen kommen mit Nervosität, manchmal mit Skepsis – und gehen mit etwas nach Hause, das sich schwer in Worte fassen lässt. „Oft gibt es Glaubenssätze wie ‚Das kann ich nicht‘, ‚Ich bin nicht stark genug‘ – und dann ist man in der Workshop-Situation und ‚muss‘ in der Gruppe Holz hacken, sich am Weg orientieren, im Wald schlafen – das Gefühl, das dann geschafft zu haben, verändert gewisse Glaubenssätze einfach durch das Tun.“

Was der Wald verändert

24 Stunden im Wald hinterlassen Spuren. „Diese Erfahrung erdet, sie verändert oft Gedanken und macht Reflexion darüber möglich, was wirklich wichtig ist oder ob alles stimmt, was ich über mich denke.“ Einer der berührendsten Momente, die Evi erlebt hat, dreht sich ums Feuer. Eine Teilnehmerin wollte es partout selbst entzünden – und schaffte es einfach nicht. Sie versuchte es wieder und wieder, wurde frustriert, haderte. Niemand nahm ihr die Aufgabe ab, niemand gab ungefragt Tipps. Niemand drängte sie. Am Ende hat sie es geschafft. Was sie dann im Kreis teilte, geht unter die Haut: „Das sei das erste Mal in ihrem Leben gewesen, dass sie etwas Schwieriges einfach in ihrem Tempo, mit ihrem Frust, ohne dass sie sich schämen musste, bis zum Ende machen konnte. Sie durfte das erste Mal die Erfahrung machen, dass sie es dann selbstständig kann – wenn man ihr Zeit und Raum dafür lässt.“

Vom Frust zur Freiheit

Dass Evi Schmidt heute andere Frauen hinausschickt, hat mit einem sehr persönlichen Moment zu tun. Anfang 2021 – Mental Load, junges Mama-Sein, Frustration im Job. „Ich buchte mir vom Bett aus am Handy ein Retreat für zwei Wochen in Schweden, was zu meiner Kündigung, gerechterer Mental-Load-Verteilung in unserer Partnerschaft und dem Schritt in die Selbstständigkeit führte.“ Die Kinder waren damals sechs und acht Jahre alt. Heute begleitet sie Frauen durch Wälder, Jahreszeiten und innere Landschaften – und lässt sie am Ende jedes Workshops innehalten. „Ich lasse die Frauen auch immer ganz bewusst am Ende des Workshops sich für ihren Mut und ihre Kraft feiern.“ Die Steiermark, sagt sie, gibt dafür den perfekten Rahmen. Man muss nur aufbrechen.

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