Frau sitzend auf Treppen mit Telefon in der Hand

Sichtbarkeit öffnet Türen

Als langjährige Expertin für Personal Branding gibt Christina Richter Tipps für mehr Sichtbarkeit auf Netzwerkplattformen wie LinkedIn.

4 Min.

© Farina Deutschmann

Aktuell wird viel über das Thema Sichtbarkeit gesprochen. Doch was bedeutet es eigentlich, im beruflichen Kontext sichtbar zu sein? Und warum ist dies gerade für Frauen so wichtig? In ihrem neuen Ratgeber „Sichtbare Frauen – So nutzt du LinkedIn & Co. als Karrierebooster“ zeigt Expertin Christina Richter, wie effektiv gerade die Plattform LinkedIn als Personal-Branding-Instrument sein kann.

In Ihrem neuen Buch schreiben Sie, dass Personal Branding in der heutigen Arbeitswelt ein wichtiges Schlagwort ist. Was ist eine Personenmarke genau und wie findet man heraus, wie es um sie bestellt ist?

Christina Richter: Ein guter Test ist, sich zu fragen: Können Menschen aus dem eigenen beruflichen Umfeld sagen, wer man ist und was man macht? Denn nur, wenn Menschen wissen, wer du bist, was du machst und wofür du stehst, können sie dich weiterempfehlen oder überhaupt ins Gespräch bringen. Und das ist vor allem dann wichtig, wenn gerade irgendwo über den persönlichen Fachbereich gesprochen wird und beispielsweise ein:e Expert:in für ein Projekt gesucht wird. Nur wenn Menschen dich auf dem Schirm haben zu deinem Thema, können sie dich ins Spiel bringen.

Funktioniert Netzwerken ohne Plattformen wie LinkedIn überhaupt noch?

Das funktioniert schon, aber man kann offline nur in Grenzen netzwerken. Auf einer Veranstaltung treffe ich durchaus viele spannende Menschen – aber, wenn ich regelmäßig auf Veranstaltungen meiner Branche gehe, dann sind es oft dieselben Gesichter, die mir begegnen – nämlich jene, die sich Zeit und Budget ermöglichen, auf diese Events zu gehen. Über LinkedIn kann ich den Radius der Menschen, die ich kennenlernen kann, um ein Vielfaches vergrößern – sogar in der eigenen Branche. Und ich kann einfach über den Tellerrand hinausschauen und Menschen aus anderen Branchen oder auch anderen Ländern kennenlernen. Aber – und das ist mir ganz wichtig zu betonen: Netzwerken online, wie über LinkedIn, erfordert Eigeninitiative. Mir fliegen die Kontakte – vor allem die für mich relevanten – auch auf LinkedIn nicht einfach so zu.

Über LinkedIn kann man den Radius der Menschen, die man kennenlernen kann, um ein Vielfaches vergrößern.

Christina Richter
© Farina Deutschmann, campus Verlag
Wieso eignen sich dafür besonders soziale Netzwerkplattformen wie LinkedIn, um sich sichtbarer zu machen?

Soziale Netzwerke wie LinkedIn haben den großen Vorteil, dass wir nicht viel Geld und Zeit in Veranstaltungen investieren müssen, sondern direkt von unserem Schreibtisch Kontakte knüpfen können und uns sichtbar machen können.

Warum ist es gerade für Frauen wichtig, sich mit der eigenen Sichtbarkeit auseinanderzusetzen?

Wenn wir uns die Medienberichterstattung und Bühnen anschauen, sehen wir viel häufiger männliche Stimmen zu ganz unterschiedlichen Themen. Frauen sind oft zurückhaltender, was Sichtbarkeit angeht. Sie sind skeptischer und überlassen dann oft ihren männlichen Kollegen die Bühne – das führt dann aber auch dazu, dass diese befördert werden, die Gehaltserhöhung bekommen oder für besondere Projekte angefragt werden, für die man selbst vielleicht besser geeignet wäre. Wir Frauen müssen verstehen, das Fleißbienchen nicht befördert werden. Und wir müssen verstehen, dass es keine Angeberei ist, wenn wir über unsere Arbeit sprechen. Dafür setze ich mich mit meiner Arbeit ein, denn ich mag nicht mehr hören: „Es gibt zu wenig Frauen in dem Bereich.“ Und gleichzeitig: „Nein, also das Panel habe ich abgesagt, denn die finden bestimmt jemand anderen, der sich im Thema noch besser auskennt als ich.“ Das tun sie leider, und in den meisten Fällen ist es ein Mann.

Der erste Schritt ist ja meist am schwierigsten. Wie kann man denn nun erfolgreich auf LinkedIn agieren?

Was viele gern vergessen: Jede:r hat auf LinkedIn mal mit einem Post angefangen. Der hat vielleicht sogar keine Likes und Kommentare bekommen. Meine ersten zehn bis 15 Posts hatten vielleicht mal einen Like, das ist völlig normal. Wichtig ist, sich nicht zu vergleichen. Das tun vor allem Frauen gern, und sie vergleichen sich dann oftmals mit anderen Frauen, die schon mehr Sichtbarkeit haben – das ist dann so, als vergleiche sich eine Grundschülerin mit einer Abiturientin. Bitte nicht! Wer sich nicht sofort an Content heranwagt, kann auch mit Kommentaren anfangen – die sind auch Content, und die Hemmschwelle ist für viele niedriger. Und dann sukzessive mehr machen. Vor allem aber die Plattform kennenlernen, jeden Tag ein Kommentar sind fünf Kommentare pro Woche, 20 pro Monat – und somit 20 Sichtbarkeiten.

Welche Kanäle außer LinkedIn eignen sich, um Personal Branding zu betreiben?

Personal Branding ist nicht gleich LinkedIn, das ist ganz wichtig. Personal Branding funktioniert im kleinen Rahmen im Team, der Abteilung und im Unternehmen. Auf Veranstaltungen oder Lunchs mit Kolleg:innen und Geschäftspartner:innen und dann in größerem Rahmen auf Social Media. Je nachdem, was für Ziele man hat, kann man den Radius vergrößern.

Welches Learning aus Ihrem Buch hätten Sie gerne bereits am Anfang Ihrer Karriere gewusst?

Fleißbienchen werden nicht befördert, Sichtbarkeit hingegen öffnet Türen. Mach dich und deine Arbeit sichtbar und warte nicht darauf, dass jemand die die Gehaltserhöhung oder die Beförderung einfach so anbietet.

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