Bambi Boss: Female Leadership jenseits klassischer Rollenbilder
Ute Zischinsky über Zweifel, Reflexion und Selbstführung
© Ute Zischinsky Anita Ledersberger
Ute Zischinsky schreibt über Female Leadership jenseits klassischer Rollenbilder und Führungsmodelle. Sie richtet sich an Frauen, die gestalten und Verantwortung übernehmen wollen. Wir haben uns mit der Autorin auf ein Gespräch getroffen und uns über Zweifel, Reflexion und Selbstführung unterhalten.
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Ihr kürzlich erschienenes Buch trägt den Titel „Bambi Boss“. Warum haben Sie diesen Titel gewählt?
Ute Zischinsky: „Bambi“ steht für Weichheit, Intuition und Authentizität. „Boss“ hingegen verkörpert Klarheit, Stärke und Souveränität, die man braucht, um Wirkung zu erzielen. Die beiden Wörter stehen für das Zusammenspiel von Herz und Haltung in der Führung: feinfühlig im Zugang, entschlossen im Auftreten. Auch wenn sich das Buch an Frauen richtet, betreffen viele Themen ebenso Männer. Es geht darum, den eigenen Stil zu finden und die richtige Balance im Führungsstil zu entwickeln.
Sie sagen, dass Zweifel kein Zeichen von Schwäche sind. Wie können Frauen lernen, Zweifel produktiv zu nutzen?
Zweifel sind – ähnlich wie Emotionen – in unseren Glaubenssätzen meist negativ besetzt. Frauen haben teilweise stärker mit Zweifeln zu tun als Männer, weil wir kulturell entsprechend geprägt wurden. Das wirkt oft unbewusst. Wichtig ist zunächst, sich bewusst zu machen, dass Zweifel da sind. Erst dann kann man aktiv mit ihnen arbeiten. Durch Selbstreflexion kann man erkennen, dass Zweifel auch eine Stärke beinhalten. Sie zeigen Intuition und Empathie – wichtige Qualitäten in der Führungsaufgabe. Dadurch kann man Menschen im Arbeitsumfeld anders wahrnehmen und ihre Stärken sowie Potenziale besser einschätzen. Eine gute Führungskraft arbeitet immer zuerst an sich selbst. Nur durch gute Selbstführung kann ich auch für andere klar führen.
Was sind aus Ihrer Erfahrung die größten inneren Hürden auf dem Weg zu souveräner Führung?
Zum einen sind es innere Glaubenssätze, zum anderen die eigene Persönlichkeit. Es gibt verschiedene Persönlichkeitsanteile, die ich auch im Buch vorstelle. Selbstführung kann stark über das Verständnis dieser Anteile funktionieren. Wenn ich meine eigenen Grundtendenzen erkenne, ist das ein wichtiger Baustein für Selbstreflexion – und ich verstehe auch andere Menschen besser, die anders geprägt sind. Kein Mensch kann alles gleich gut, sondern hat unterschiedliche Stärken. Wenn man zum Beispiel ein kreativer Mensch ist, der viele Visionen und Ideen hat, fehlt manchmal die Ruhe und Bodenhaftung. Dann braucht es im Team Menschen, die genau diese Stärke mitbringen und Aufgaben langfristig und strukturiert umsetzen. Wir tragen all diese Anteile in uns – nur unterschiedlich ausgeprägt.

Wenn eine junge Frau Sie fragt: „Soll ich Führung übernehmen?“ Wie würden Sie ihr antworten?
Ich würde sie zunächst fragen, was Führung für sie überhaupt bedeutet. Das hängt auch vom jeweiligen Arbeitsumfeld ab. Gemeinsam würden wir ihre Ziele definieren und besprechen, welche Schritte und Zwischenschritte notwendig sind, um sie zu erreichen. Dann würde ich mit ihr erarbeiten, welche Fähigkeiten und Qualitäten sie formell und informell mitbringt. Formell meint Ausbildungen, Studienabschlüsse oder Zertifikate. Informelle Kompetenzen hingegen erwerben wir im Laufe unseres Lebens – dafür gibt es kein Zeugnis, aber sie sind ebenso wertvoll. Dieses Bewusstsein für die eigenen Talente eröffnet neue Perspektiven. Viel zu oft fokussieren wir uns auf das, was wir nicht können oder nicht gelernt haben.
Es geht darum, den eigenen Stil zu finden und die richtige Balance im Führungsstil zu entwickeln.
Wenn Sie an die Arbeitswelt der Zukunft denken: Wie müsste Führung aussehen, damit Frauen selbstverständlich führen?
Auf Unternehmensseite braucht es passende strukturelle Rahmenbedingungen – etwa bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Frauen sollten aktiv eingeladen werden, Führungspositionen zu übernehmen, und gleichzeitig müssen mehr Männer Care-Arbeit übernehmen. Von Frauen selbst braucht es Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und Klarheit über die eigenen Stärken und Qualitäten. Ich kenne viele Frauen, die fachlich nicht an sich zweifeln, sondern eher an ihren sozialen Kompetenzen. Man muss sich fragen: Was ist meine Funktion im Job und was ist meine soziale Rolle? Wer glaube ich, sein zu müssen in dieser Struktur? Wenn ich das kläre, verändert sich mein Verhalten – im Job wie im Alltag. Denn dann weiß ich, wer ich bin, wofür ich verantwortlich bin und wo meine Grenzen liegen.
BUCHTIPP:

ZUM NACHLESEN
BAMBI BOSS
Female Leadership: transformierend, authentisch, souverän. Was sonst!
von Ute Zischinsky
Business Village Verlag ISBN: 978-3869808437
€ 30,50
Mehr über die Autorin dieses Beitrags

Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.
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