Weltkrebstag 2026: Vorsorge kann Leben retten
Prof. Dominik Wolf über aktuelle Zahlen, die Bedeutung von Prävention und moderne Therapieansätze
© Florian Lechner
Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar 2026 spricht Prof. Dominik Wolf, Präsident der
Krebshilfe Tirol, über aktuelle Zahlen, die Situation in Tirol, die Bedeutung von Prävention und
moderne Therapieansätze – sowie über die langjährige Arbeit der Krebshilfe Tirol.
Herr Prof. Wolf, warum ist der Weltkrebstag auch 2026 so wichtig?
Prof. Dominik Wolf: Der Weltkrebstag ist ein zentraler Anlass, um das Thema Krebs ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – nicht nur aus medizinischer Sicht, sondern auch gesellschaftlich. Krebs betrifft uns alle. Laut aktuellem Österreichischen Krebsreport erkranken jährlich rund 46.000 Menschen neu an Krebs, und etwa 440.000 Menschen leben derzeit mit einer Krebsdiagnose. Diese Zahlen zeigen klar: Krebs ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit.
Wie stellt sich die Situation konkret in Tirol dar?
Auch in Tirol sind die Zahlen sehr deutlich: Jährlich erhalten rund 4.000 Menschen eine
Krebsdiagnose, etwa zu gleichen Teilen Männer und Frauen. Damit ist Krebs eine Erkrankung, die
quer durch alle Altersgruppen, Lebenssituationen und Familien geht. Durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung rechnen wir in den kommenden Jahren mit einem weiteren Anstieg der Erkrankungszahlen. Gleichzeitig erleben wir aber auch, dass immer mehr Menschen dank moderner Therapien lange und gut mit einer Krebserkrankung leben können.
Welche Rolle spielt das Alter bei der Entstehung von Krebs?
Mehr als 60 Prozent aller Neuerkrankungen betreffen Menschen über 65 Jahre. Krebs ist damit
zunehmend eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Das stellt das Gesundheitssystem vor große
Herausforderungen – die zum einen medizinischer, also hinsichtlich der optimalen individuellen Therapiewahl oder der Sicherstellung optimaler psychosozialer Begleitung, aber auch finanzieller Natur sind, also inwieweit können wir die notwendigen finanziellen Ressourcen für die oft hochpreisigen Therapien in der Gesellschaft weiterhin sicherstellen . Wichtig ist: Auch ältere Patient:innen profitieren heute stark von modernen Therapien – vorausgesetzt, die Behandlung wird individuell angepasst und ganzheitlich gedacht.
Prävention wird immer wieder betont. Warum ist sie so entscheidend?
Wir wissen heute, dass mindestens jede zweite Krebserkrankung durch Prävention verhindert oder durch Früherkennung frühzeitig erkannt werden könnte. Das ist eine enorme Chance. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, Rauchverzicht, maßvollem Alkoholkonsum, UV-Schutz sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kann das Krebsrisiko deutlich senken und die Heilungschancen massiv erhöhen.
Wie hat sich die Krebstherapie in den letzten Jahren entwickelt?
Die Fortschritte sind enorm. Neben bewährten Verfahren wie Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie haben sich personalisierte Therapien und die Immuntherapien rasant entwickelt. Hierbei spielen klinische Studien als Rückgrat der Entwicklung eine zentrale Rolle. Dank dieser Entwicklungen können wir heute mehr als die Hälfte aller Patient:innen dauerhaft heilen oder langfristig stabilisieren. Die Forschung bleibt dabei der Schlüssel, um die Prognose weiter zu verbessern.
Welche Unterstützung bietet die Krebshilfe Tirol Betroffenen und ihren Familien?
Eine Krebsdiagnose betrifft nicht nur den Körper, sondern immer auch die Psyche, das soziale Umfeld und die Familie. Deshalb bieten wir in Tirol ein breites, kostenfreies Unterstützungsangebot an: psychoonkologische Beratung, das Krebshilfe-Telefon, Informations- und Vorsorgeveranstaltungen sowie individuelle Begleitung für Betroffene und Angehörige.
Welche Rolle spielt die Krebshilfe Tirol im Kampf gegen Krebs?
Die Krebshilfe Tirol begleitet Menschen mit Krebs seit mehreren Jahrzehnten und ist eine verlässliche Anlaufstelle für Betroffene und deren Familien. Unser Ziel ist es, Hoffnung zu geben, Orientierung zu schaffen und niemanden mit dieser Erkrankung allein zu lassen. Gleichzeitig sehen wir es als unsere Aufgabe, durch Aufklärung, Prävention und Unterstützung einen nachhaltigen Beitrag im Kampf gegen Krebs zu leisten.
Was ist Ihre zentrale Botschaft zum Weltkrebstag 2026?
Der Weltkrebstag ist eine Einladung an uns alle: Nehmen wir Vorsorge ernst, achten wir auf unsere
Gesundheit und zeigen wir Solidarität mit Betroffenen. Gemeinsam können wir die Chancen auf
Heilung weiter verbessern und den Kampf gegen Krebs entschlossen fortführen.
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