Eine Schwangere Frau in rotem Kleid hält ihren Bauch

Impfen in der Schwangerschaft

Impfungen in der Schwangerschaft schützen Mutter und Kind.

6 Min.

© Unsplash/Jonathan Borba

Impfen ist ein lebenslanges Projekt. Beginnend ab der ersten Lebenswoche erfolgen laut österreichischem Impfplan Impfungen des Neugeborenen gegen Kindererkrankungen wie Rotaviren, Diphterie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten (Pertussis) und Kinderlähmung, oft als Kombination – später gegen Masern, Mumps und Röteln, vor der Geschlechtsreife gegen humane Papillomaviren … und so geht es weiter, ein Leben lang.

Die schönste Zeit bringt auch Verantwor tung mit sich. Schwanger zu sein ist für die werdende Mutter mit unglaublichen Gefühlen verbunden. Der weibliche Körper verändert sich, bald spürt man das neue Leben in sich regen, diese Phase ist jedoch auch mit neuen Themen verbunden. So können Impfungen in der Schwangerschaft sowohl die Mutter als auch das Kind schützen. Denn bei der Geburt ist das Immunsystem des Neugeborenen noch nicht vollständig ausgereift. Es hat noch nie Kontakt mit fremden Keimen oder Erregern gehabt. In dieser Phase ist der Säugling besonders empfänglich für Erkrankungen. Gegen eine ganze Reihe von Krankheiten kann man das Neugeborene gezielt schützen, wenn die Frau in der Schwangerschaft die im österreichischen Impfplan empfohlenen Impfungen z. B. gegen Pertussis, Covid-19 oder Influenza durchführen lässt. Weiters ist eine Impfung der werdenden Mutter gegen RSV möglich.

Veränderungen in der Schwangerschaft

Die Schwangerschaft führt zu zahlreichen körperlichen, hormonellen und immunologischen Veränderungen. So bedeuten manche Infektionen, wie zum Beispiel Covid-19, in der Schwangerschaft eine erhöhte Gefahr für Mutter und Baby. Denn es besteht ein erhöhtes Risiko, bei einer Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf zu erleiden und intensivpflichtig zu werden. Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt. Die Auffrischungsimpfung wird daher im Herbst angeraten.

Auch gegen die echte Grippe empfiehlt der österreichische Impfplan zum Schutz des Neugeborenen und der Mutter eine Auffrischung mit einem gut verträglichen Impfstoff. Die empfohlenen Impfungen sind so mit in doppelter Hinsicht sinnvoll – für die Mutter und das ungeborene Leben. Auch schon bei bestehendem Kinderwunsch macht es Sinn, den Impfstatus auf Aktualität zu überprüfen.

Eine schwangere Frau hält in der Abendsonne die Hand eines Mannes
© Unsplash/Elias Vidal

RSV – in aller Munde, aber was ist das?

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) löst Erkrankungen der Atemwege aus. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion oder indirekte Übertragung über Hände, Gegenstände und Oberflächen. Eine RSV-Infektion kann asymptomatisch verlaufen, eine milde, unkomplizierte Atemwegserkrankung auslösen oder in schweren Fällen zu einer beatmungspflichtigen Erkrankung der unteren Atemwege führen. Ein besonders hohes Risiko, schwer an einer RSV-Infektion zu erkranken, haben vor allem Kinder unter fünf Jahren und hier vor allem Kleinkinder unter 6 Monaten, Erwachsene über 60 Jahre und Personen mit schlechtem Gesundheitszustand.

Symptome einer RSV-Infektion umfassen in der Regel: rinnende Nase, reduzierter Appetit, Husten, Niesen, Fieber und ein hohes, pfeifendes Lungengeräusch beim Atmen. Fast alle Kinder machen in ihren ersten zwei Lebensjahren eine RSV-Infektion durch. Die Infektion kann eine schwere Entzündung der Bronchien auslösen.

Maternale Immunisierung

Das bedeutet, dass die werdende Mutter während der Schwangerschaft geimpft wird, damit ihr Körper Abwehrstoffe (Antikörper) gegen Krankheitserreger wie z. B. RSV bildet. Diese Antikörper wandern über die Plazenta direkt zum ungeborenen Kind. Das Baby ist somit nach der Geburt für eine gewisse Zeit mitgeschützt. Alternativ ist die passive Immunisierung des Säuglings gegen RSV mittels einer Spritze nach der Geburt möglich.

Gute Aufklärung über die Vorteile des Impfens in der Schwangerschaft ist wichtig.

Priv.-Doz. DDr. Philipp Fößleitner
Porträt von Priv.-Doz. DDr. Philipp Fößleitner
© Universitätsklinik für Frauenheilkunde, MUW

Die Kleinsten schützen

Priv.-Dozent DDr. Philipp Fößleitner, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien, Klinische Abteilung für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin, über Impfen in der Schwangerschaft.

Was sollten Frauen über das Thema Impfen in der Schwangerschaft wissen?

Philipp Fößleitner: Das Wichtigste: Es sollten nur Totimpfstoffe und keine Lebendimpfungen geimpft werden. Aus einem generellen Sicherheitsempfinden wird empfohlen, erst im 2. bis 3. Trimenon zu impfen. Eine Ausnahme besteht, wenn eine Grippewelle vor der Tür steht, dann darf auch im ersten Drittel geimpft werden.

Welche Impfungen sind in der Schwangerschaft sinnvoll?

Gegen Influenza, Covid-19, Pertussis und RSV. Bei RSV gibt es zwei Optionen: die aktive Impfung der Mutter in der Schwangerschaft oder die passive Immunisierung des Neugeborenen. Alle vier empfohlenen Impfungen gelten sowohl für Mutter und Kind als gut verträglich.

In welcher Phase der Schwangerschaft sollten die Impfungen konkret erfolgen?

Pertussis zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche (SSW), die RSV-Impfung ist zwischen der 24. und 36. SSW zulässig, empfohlen wird sie aber zwischen der 32. und 36. SSW, weil dann die Antikörper-Spiegel, die auf das Kind übertragen werden, höher sind. Influenza und Covid-19 sollten saisonal geimpft werden.

Haben Sie Nebenwirkungen gesehen?

Prinzipiell sind es die gleichen wie außerhalb der Schwangerschaft, also Rötung, Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, leichtes Fieber, nichts davon ist beunruhigend. Der Nutzen aller Impfungen in der Schwangerschaft überwiegt auf alle Fälle die potenziellen Nebenwirkungen. Keine dieser Impfungen hat negative Effekte auf das Kind oder die Schwangerschaft.

Wie klären Sie die werdende Mutter über das Impfen auf?

Ich versuche, die echten gesundheitlichen Vorteile und den Nutzen durch die Impfung hervorzuheben. An Influenza in der Schwangerschaft zu erkranken ist relativ gefährlich, weil es zu erhöhten Raten an mütterlichen Aufnahmen ins Spital bzw. auf die Intensivstation kommt. Dasselbe gilt für Covid-19 mit zusätzlich einem erhöhten Risiko für Abort und Frühgeburt.

Pertussis äußert sich bei der Mutter als ganz normaler Husten, die Kleinsten erkranken jedoch deutlich schwerer, es kann zu schweren Infektionen bis zum Atemversagen kommen. Bei RSV ist die kleinste Einheit in der Lunge stark betroffen. Kleinkinder zeigen eine erhöhte Anzahl schwerer Verläufe mit Aufnahmen auf die Intensivstationen.

Bis zu 70 % der Säuglinge infizieren sich im 1. Lebensjahr mit RSV und fast 100 % bis zum Ende des 2. Lebensjahres mit hohen Aufnahmeraten ins Krankenhaus. Pertussis und RSV betrifft die Allerkleinsten, im Durchschnitt unter 4 Monate alt, und diese Babys möchten wir schützen.

Welche Botschaft liegt Ihnen sonst noch am Herzen?

Impfberatung sollte bereits vor oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft stattfinden. Frauenärzte und Frauenärztinnen klären über mögliche Impfungen in der Schwangerschaft wie RSV auf und bieten diese auch an. Auch Hebammen haben eine wichtige informative Funktion, denn sie sind wichtige Bezugspersonen für die werdende Mutter. Ist die Mutter immunisiert, schützt sie ihr Kind bereits von Geburt an.

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