narrischguat: Food-Bloggerin Anna Lang über gutes Essen, Tirols Gastronomie und ihre Lieblingsrezepte
Was macht ein gutes Restaurant aus und welche Trends werden die Gastronomie in Zukunft prägen? Anna Lang alias narrischguat erzählt von ihrer Leidenschaft für gutes Essen und verrät drei Spätsommer-Rezepte.
© Anna Lang/narrischguat
Ein schnelles Foto vom Teller gehört für viele zum Restaurantbesuch dazu. Für Anna Lang ist daraus seit 2017 ein Teil ihres Berufs geworden. Als „narrischguat“ nimmt die Tirolerin ihre mehr als 16.000 Follower:innen auf Instagram mit auf kulinarische Entdeckungsreisen. Im Gespräch erzählt sie, was gute Restaurants ausmacht, welche Trends die Tiroler Gastronomie derzeit prägen und warum Regionalität, Authentizität und gute Wirtshäuser wieder wichtiger werden. Außerdem verrät sie drei Rezepte für den Spätsommer: Feigencarpaccio mit Stracciatella, Gnudi mit gerösteter Tomaten-Paprika-Sauce und Zwetschgenknödel.

Woher kommt deine Leidenschaft für gutes Essen?
Anna Lang: Die begann schon sehr früh: Ich bin mit selbstgekochtem Essen aufgewachsen. Meine Oma und meine Mama haben viele Stunden in der Küche verbracht, um Familie und Gästen einen schönen Abend zu bereiten. Dadurch habe ich früh erlebt, dass Essen viel mehr sein kann, als einfach nur satt zu werden.
In der HBLA habe ich dann begonnen, mich intensiver mit dem Kochen zu beschäftigen, und gemerkt, wie kreativ man in der Küche sein kann. Vor allem habe ich dort erkannt, wie schön es ist, anderen Menschen mit gutem Essen eine Freude zu bereiten. Diese Begeisterung begleitet mich bis heute – beim eigenen Kochen genauso wie bei Restaurantbesuchen.
Ich liebe es, neue Restaurants zu entdecken, unterschiedliche Küchen kennenzulernen und zu sehen, was Köchinnen aus guten Produkten machen. Mich interessieren nicht nur die Gerichte selbst, sondern auch die Geschichten dahinter, die Menschen, die Produkte und das Handwerk.
Was hat dich dazu bewogen, deine kulinarischen Entdeckungen online zu teilen?
Als ich narrischguat 2017 gestartet habe, war Food-Content auf Instagram noch lange nicht das, was er heute ist. Ich habe ganz unkompliziert mit meinen Beiträgen begonnen – dass sie auf so großes Interesse gestoßen sind, hat mich unglaublich gefreut und motiviert.
Dass daraus über die Jahre eine so große Community und sogar ein Teil meines Berufs entstehen würde, hätte ich mir damals nie gedacht. Besonders schön finde ich, wie viele tolle Persönlichkeiten ich durch narrischguat kennenlernen durfte. Daraus sind echte Bekanntschaften, Freundschaften und wertvolle Verbindungen entstanden, die ich heute nicht mehr missen möchte.
Auf Instagram & Co. sieht immer alles ganz mühelos aus. Wie viel Arbeit steckt tatsächlich dahinter?
Von der ersten Idee bis zum fertigen Beitrag steckt viel Arbeit dahinter. Dazu gehören Recherche und Planung, das Kochen oder der Restaurantbesuch, Fotografieren und Filmen sowie Schneiden, Texten und Posten. Und natürlich gehört auch die gesamte Organisation rundherum dazu.
Gerade weil ich authentisch bleiben möchte, ist mir wichtig, nicht einfach nur schöne Bilder von Essen zu produzieren. Ich möchte Geschichten erzählen, Menschen vorstellen und einen echten Mehrwert bieten. Das braucht Zeit – aber das macht für mich den Reiz aus. Wenn am Ende jemand aufgrund eines Beitrags ein neues Restaurant entdeckt, ein Rezept ausprobiert oder einfach Lust auf gutes Essen bekommt, hat sich die Arbeit gelohnt.
Aber ja: Ich verbringe tatsächlich sehr viel Zeit auf Social Media und mein Handy ist fast immer griffbereit. Wer mit mir essen geht, kennt die Spielregeln: Erst wird fotografiert, dann gegessen. Und meine Gabel macht dabei gerne auch mal einen kleinen Ausflug zum Nachbarteller – schließlich muss man wissenschaftlich fundiert beurteilen, was die anderen bestellt haben (lacht).
Worauf achtest du, wenn du ein Restaurant mit deiner Community teilst?
Beim ersten Eindruck machen für mich Atmosphäre und Service sehr viel aus. Fühlt man sich willkommen? Schafft das Restaurant eine Wohlfühlatmosphäre? Dann kommt natürlich das Konzept dazu. Ist es ein schnelles, unkompliziertes Fast-Food-Angebot, steht für mich das Essen im Vordergrund: Wie appetitlich sieht es aus und vor allem – wie schmeckt es?
Bei einem Restaurant oder Wirtshaus sind mir aber auch die Menschen dahinter besonders wichtig. Sind die Gastgeber selbst vor Ort? Spürt man ihre Philosophie und Leidenschaft? Wenn ich einen Platz mit meiner Community teile, möchte ich ihn wirklich guten Gewissens empfehlen können – weil ich selbst gerne dort bin und das Gefühl habe: Hier passt einfach das Gesamtpaket.
Welche Entwicklungen und Trends beobachtest du aktuell in der Tiroler Gastronomie?
Ich habe das Gefühl, dass sich in Tirol gerade viel tut – und zwar nicht nur in den Städten, sondern auch am Land. Besonders spannend finde ich die Rückbesinnung auf Regionalität und Tradition, allerdings nicht in einer altmodischen Form. Junge Köchinnen sammeln im Ausland Erfahrungen, lernen neue Techniken und Küchen kennen und kommen zurück nach Tirol, um ihr Know-how in modernen Konzepten umzusetzen. Dadurch entsteht etwas Eigenes: Tiroler Produkte und Traditionen treffen auf internationale Einflüsse.
Gleichzeitig wird die Gastronomie immer vielfältiger. Asiatische Küche wird auch am Land präsenter, und es entstehen zunehmend Asia-Shops. In den Städten beobachte ich außerdem eine neue Café-Kultur mit starkem Community-Gedanken. Ein Café ist nicht mehr nur ein Ort für guten Kaffee. Es werden Yoga-Sessions, Lauf- oder Radtreffs organisiert, Workshops veranstaltet und Events angeboten.
Wichtiger wird auch das Thema Authentizität. Gäste wollen wissen, wer hinter einem Betrieb steht, wofür ein Restaurant oder Wirtshaus steht und welche Philosophie dahintersteckt. Gerade in Tirol haben wir unglaublich viele gute Produkte, Produzent:innen und Geschichten. Und was ich persönlich schön finde: Es muss nicht immer Fine Dining sein. Ich sehe eine große Wertschätzung für gute Wirtshäuser, einfache Gerichte auf hohem Niveau und ehrliches Gastgebersein. Für mich ist das einer der spannendsten Trends.
Was wird die Branche in den nächsten Jahren am meisten beschäftigen?
Gute Leute zu finden und langfristig zu halten, wird eine der größten Herausforderungen sein. Das wird auch dazu führen, dass Betriebe ihre Konzepte stärker auf Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit prüfen müssen. Weniger Öffnungstage, kleinere Karten, klarere Konzepte – da wird sich noch einiges verändern.
Dazu kommen steigende Kosten und die Frage der wirtschaftlichen Planbarkeit. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Gäste: Sie wollen Qualität, Regionalität, gutes Service und ein besonderes Erlebnis – und das möglichst leistbar. Das ist für die Gastronomie ein großer Spagat. Ich glaube aber auch, dass genau daraus viel Kreativität entstehen wird.
Social Media ist heute ein wichtiger Faktor und kann dafür sorgen, dass ich überhaupt auf ein Lokal aufmerksam werde. Gerade für neue oder kleinere Konzepte ist das eine riesige Chance. Man kann ohne ein großes Marketingbudget seine Geschichte erzählen, die Menschen dahinter zeigen und eine Community aufbauen. Aber am Ende muss das, was online versprochen wird, auch vor Ort funktionieren. Wenn das Essen nicht schmeckt, der Service nicht passt oder die Atmosphäre nicht hält, was Instagram verspricht, bringt auch der schönste Feed nichts.
Du genießt nicht nur gerne, sondern hast auch eine Kochlehre absolviert. Wie hat diese Ausbildung deinen Blick auf Restaurants und die Menschen dahinter verändert?
Wenn man selbst einmal in der Küche gestanden ist, weiß man, wie viel Arbeit hinter einem Teller steckt und wie viele Menschen daran beteiligt sind, dass am Ende alles funktioniert. Ich schaue heute nicht nur darauf, was auf dem Teller liegt, sondern auch auf das, was dahintersteckt: die Produkte, die Vorbereitung, das Handwerk und vor allem die Menschen. Man entwickelt einfach einen anderen Respekt für die Arbeit in der Gastronomie.
Welchen kulinarischen Wunsch hättest du für Tirol in zehn Jahren?
Zum einen wünsche ich mir, dass der Serviceberuf wieder mehr Wertschätzung bekommt. Durch die vielen Kochshows hat der Beruf der Köchinnen wieder viel Ansehen gewonnen – beim Service fehlt diese Wertschätzung oft noch. Dabei ist es etwas sehr Schönes, mit Menschen zu arbeiten und Gastgeber:in zu sein.
Außerdem wünsche ich mir, dass wir uns weiterhin auf die Schätze der Tiroler Kulinarik besinnen: kleine, regionale Konzepte, kurze Speisekarten und dafür richtig gute Qualität. Ich wünsche mir auch mehr Unterstützung für Menschen, die den Mut haben, sich selbstständig zu machen, genauso wie für die nächste Generation, die einen Familienbetrieb übernimmt.
Und ganz wichtig: mehr Wertschätzung, Geduld und Verständnis von den Gästen. Hinter jedem Restaurant, jedem Wirtshaus und jedem Service stehen Menschen, die jeden Tag ihr Bestes geben. Und wie wir alle dürfen auch Gastgeber:innen einmal einen schlechten Tag haben.
Spätsommer auf dem Teller: 3 Rezepte
FEIGENCARPACCIO MIT STRACCIATELLA, PISTAZIEN & MINZE

Zutaten für 2 Personen:
• 4–5 reife Feigen
• Ca. 100 g Stracciatella
• 2 EL Pistazien, grob gehackt
• Frische Minzblätter
• 1–2 EL hochwertiges Olivenöl
• Grobes Meersalz & frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Zubereitung:
1. Die Feigen schälen und jeweils halbieren. Mit der Schnittseite nach oben auf einen Teller legen.
2. Die Feigenhälften mit einem Stück Backpapier bedecken und vorsichtig mit dem Boden eines Glases flach drücken, sodass eine dünne, gleichmäßige Carpaccio-Schicht entsteht. Das Backpapier anschließend vorsichtig abziehen.
3. Die Stracciatella in kleinen, cremigen Portionen auf den flach gedrückten Feigen verteilen.
4. Die grob gehackten Pistazien darüberstreuen und mit frischen Minzblättern garnieren.
5. Das Carpaccio mit Olivenöl beträufeln und mit Meersalz und schwarzem Pfeffer abschme- cken. Servieren und genießen.
GNUDI MIT GERÖSTETER TOMATEN- PAPRIKA-SAUCE

Zutaten für 2 Personen:
Für die Gnudi:
• 250 g Ricotta
• 60 g Parmesan, fein gerieben
• 1 Ei
• Ca. 50–70 g Mehl
• Abrieb von 1/2 Bio-Zitrone
• Salz & frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Für die Sauce:
• 250 g Kirschtomaten
• 1 rote Paprika
• 2 Knoblauchzehen
• 150 g weiße Bohnen, abgetropft
• Olivenöl
• Salz
• Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Für das Topping:
• Zitronenzesten
• Geröstete Haselnüsse, grob gehackt
• Parmesanspäne
• Schnittlauchöl
• Frische Basilikumblätter
Zubereitung:
1. Ricotta, Parmesan, Ei und Zitronenabrieb vermengen, mit Salz und Pfeffer würzen und mit Mehl zu einer weichen Masse verarbeiten. 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
2. Die Masse zu einer großen Rolle formen und mit einem Messer kleine Gnudi herunterstechen.
3. Tomaten, Paprika und Knoblauch mit Olivenöl, Salz und Pfeffer bei 200°C ca. 25–30 Minuten im Ofen rösten. Anschließend mit den weißen Bohnen fein pürieren und abschmecken.
4. Gnudi in Salzwasser garen, bis sie an die Oberfläche steigen. Herausheben und vorsichtig in der warmen Sauce wenden.
5. Auf Tellern anrichten und mit gerösteten Haselnüssen, Parmesanspänen, Schnittlauchöl, Basilikum und Zitronenzesten garnieren.
ZWETSCHGENKNÖDEL

Zutaten für 6 Knödel:
• 6 Zwetschgen
• 6 TL Zwetschgenmarmelade (optional, wenn die Zwetschgen nicht süß genug sind)
Für den Topfenteig:
• 250 g Topfen
• 50 g Weizenmehl
• 50 g Grieß
• 1 Ei
• 1 EL Maisstärke
• 1 EL Butter, zerlassen
• 1 Prise Salz
Für das Kochwasser:
• 1 Zimtstange
• 5 ganze Nelken
• 3 Zitronenscheiben
Für die Butterbrösel:
• 70 g Butter
• 150 g Semmelbrösel
• 1 TL Zimt
• 2 EL Kristallzucker
Zubereitung:
1. Alle Zutaten für den Teig kurz mit dem Handmixer zu einem glatten Teig verrühren und zugedeckt mindestens 1,5 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen.
2. Die Zwetschgen aufschneiden, den Kern entfernen und – falls nötig – jeweils mit 1 TL Zwetschgenmarmelade füllen.
3. Für das Kochwasser Wasser mit Zimtstange, Nelken und Zitronenscheiben einmal aufkochen und bis zur Verwendung zugedeckt ziehen lassen.
4. Für die Brösel die Butter in einer Pfanne schmelzen. Die Semmelbrösel darin goldbraun rösten und Zimt und Kristallzucker unterrühren.
5. Den Topfenteig in 6 Portionen teilen und jede Zwetschge vollständig mit einer Portion Teig umhüllen. Die Knödel in das leicht siedende Kochwasser geben und 12 Minuten sanft köcheln lassen. Den Herd ausschalten und die Knödel weitere 6–8 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
6. Die Zwetschgenknödel aus dem Wasser heben, in Butterbröseln wenden und mit Staubzucker bestäubt servieren.
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Über die Autorin:

Leonie Werus betreut die Ressorts Genuss, Wohnen, Freizeit und Gesundheit. Sie ist ein echter Workhaholic und weiß jede Minute gut für sich zu nutzen. Mit ihren Airfryer, liebevoll Fritti genannt, probiert sie gerne neue Rezepte und versucht nebenbei das TIROLERIN-Team zum Sport zu motivieren – meist leider vergeblich.