Fallschirmspringen gemeinsam mit Best Skydive Tirol

Auf einen Fallschirmsprung in St. Johann

Wie ich über meinen Schatten – und aus einem Flugzeug gesprungen bin.

6 Min.

© Best Skydive Tirol

Eines gleich vorweg: Ich habe so etwas noch nie gemacht. Bin noch nie raften gewesen und habe kein einziges Mal den Drang verspürt, mich von Klippen zu stürzen – von Bungee-Jumping oder Paragliding ganz zu schweigen. Mein Adrenalinpegel bewegt sich also gewöhnlich in seiner Komfortzone, ist über Hochseilgarten und Sommerrodelbahn nur selten hinausgegangen. Doch diesmal, da habe ich es ganz einfach getan. Auf einen Fallschirmsprung in St. Johann.

Ausrüstung beim Fallschirmspringen in St. Johann
© TIROLERIN/Ricarda Laner

Grenzenlos.

Was mich an diesem Dienstagmorgen definitiv so einiges an Überwindung kostet, ist für Freddy Hofmayer Routine – immerhin hat er in seinem Leben schon 27.000 Fallschirmsprünge absolviert. 23.000 davon waren Tandemsprünge mit Kund:innen, Erfahrung hat er also reichlich. So weit, so beruhigend. Seit 2004 ist Freddy am Flugplatz in St. Johann anzutreffen, für gewöhnlich sieben Tage die Woche. Tandem-Instruktor – noch dazu einer der Top Fünf weltweit – ist eben mehr als ein Beruf. Spitzensportler:innen und Hollywoodstars wie Football-Legende Joe Montana oder Schauspielerin Hayden Panettiere sind mit Freddy bereits durch die Lüfte geschwungen, aber auch Hans Sigl und die Gebrüder Klitschko haben sich ihm anvertraut. „Das Schöne ist: Fallschirmspringen kennt fast keine Grenzen. Unsere älteste Kundin war eine 97-jährige Dame, die sich noch einen Lebenstraum erfüllen wollte‟, erzählt der gebürtige Bayer. Der Körper sei keinerlei Belastung ausgesetzt, es gelte lediglich, rauszuspringen und Spaß zu haben. Und tatsächlich: Die Wände zieren Fotos von strahlenden Gesichtern aller Altersklassen in luftigen Höhen. Dann kann das doch eigentlich nicht so schwer sein, oder?

Best Skydive Tirol über dem Kaisergebirge
© TIROLERIN/Ricarda Laner

Luftige Höhen.

Nach einer kurzen Einführung geht es auch schon rauf auf den Flugplatz, wo ich in einen blauen Fliegeranzug schlüpfe und Freddy mir den Gurt umschnallt. Noch bin ich ganz gespannt, aber dann geht alles doch schneller als gedacht und schon sitzen wir im Flieger. Ein kleines Propellerflugzeug, das uns binnen Minuten in die Lüfte hebt. „Willkommen in meinem Büro‟, ruft Freddy mir zu. Strahlend blauer Himmel, traumhaftes Panorama. Ganz hinten am Horizont: die Gipfel des Großglockners. Dort drüben: der Stadtrand von München- Unter uns: winzige Spielzeughäuschen, die immer noch kleiner werden – und schon bald das Kaisergebirge mit seinen atemberaubenden Berggipfeln. Die 20 Minuten mit dieser malerischen Aussicht vergehen – Achtung, Wortspiel! – wie im Flug und lassen mich beinahe vergessen, wozu wir eigentlich hier oben sind. Dass das eigentliche Highlight erst noch bevorsteht.

Absprung.

Erst als Freddy mir die Sturmhaube aufsetzt, mir die Brille überzieht und den Sicherheitsgurt festzurrt, wird mir klar: Jetzt geht es also wirklich los. Als er dann auch noch die Tür des Fliegers hochklappt, ist die entspannte Stimmung unseres Rundflugs wie weggeblasen – zumindest bei mir. Freddy hingegen macht eher den Eindruck, als würden wir gleich aus einem parkenden Auto steigen und gibt letzte Anweisungen: Ein Bein aufs Trittbrett, das andere aus dem Flieger baumeln lassen. Dann am Gurt festhalten, die Beine nach hinten, den Kopf nach oben und ein Hohlkreuz machen. Noch während ich im Geiste wiederholte, was ich beim Sprung alles zu tun habe, schubst Freddy sanft, aber bestimmt nach draußen.

Adrenalinkick … oder doch nicht?

Adrenalinkick sei eigentlich beim Fallschirmspringen das falsche Wort, meint Freddy. Primär handle es sich nämlich um das Glückshormon Endorphin, das beim Sprung ausgelöst werde. Der Grund: Da der Flieger in der Luft niemals stillsteht, fehlt auch das Gefühl zu fallen, das beispielsweise beim Bungeespringen spürbar wird. Vielmehr würden Fallschirmspringer:innen also auf der Luft surfen.

Best Skydive in St. Johann

Direkt am Flugplatz in St. Johann stürzt sich Freddy Hofmayer mit seinen wagemutigen Kolleg:innen aus aller Welt regelmäßig in den freien Fall. Neben den Tandemsprüngen mit dem Fallschirm nehmen dabei im Verein auch die Aus- und Weiterbildung von Springer:innen eine zentrale Rolle ein. Ab 289 Euro lassen sich Erinnerungen fürs Leben sammeln, die gegen Aufpreis auch mit Fotos und Video festgehalten werden.

Nähere Infos unter www.bestskydive.com

Fallschirmspringen gemeinsam mit Best Skydive Tirol
© Best Skydive Tirol

Glücksgefühl.

Zwei Menschen, die in 3.500 Metern Höhe aus einem Flugzeug springen, mit nichts als einem Fallschirm im Gepäck. Ziemlich verrückt, eigentlich. Mindestens so genial ist aber auch das Gefühl, auf der Luft zu surfen, wie Freddy es nennt. Der Wind bläst mir um die Ohren und ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen, so überwältigt bin ich in diesem Moment. Bevor ich überhaupt realisieren kann, was da gerade passiert, mit welcher Geschwindigkeit wir in Richtung Boden rasen, hat Freddy unseren Fallschirm gezogen und wir verlieren mit einem Ruck unser Tempo. „Jetzt machen wir’s uns einmal ein bisschen bequemer‟, tönt es von hinten, bevor mein Tandem-Master mir die Brille hochschiebt und unsere Gurte lockert.

Wie auf einer Schaukel segeln wir nun gemütlich durch die Luft und erst jetzt kann ich die Aussicht so richtig genießen. Für ein paar Momente darf ich sogar den Fallschirm steuern, bevor Freddy wieder übernimmt und uns zielgerichtet in Richtung Flugplatz lenkt. Hätte ich es nicht im ersten Moment an gespürt, wäre mir spätestens jetzt klar geworden: Ich habe es hier mit einem absoluten Vollprofi zu tun. Kurz vor dem Boden strecke ich meine Beine aus, im nächsten Moment sitzen wir im Gras. Eine Landung, die kaum komfortabler hätte sein können.

Once in a lifetime.

Ich atme tief durch und merke, wie die Spannung meiner Gesichtsmuskeln nachlässt. Scheint, als hätte ich in den letzten Minuten durchgehend gelacht. Freddy und ich klatschen ein und schon ist es vorbei. Fast bin ich versucht zu fragen, ob wir nicht gleich nochmals springen können. Aber in erster Linie bin ich dankbar für dieses Abenteuer, habe viel zu erzählen und noch mehr Fotos herzuzeigen – und beneide Freddy vielleicht ein klitzekleines bisschen dafür, dass er dieses Glücksgefühl tagtäglich erleben darf, während es für mich wohl eher ein „Once in a lifetime‟-Moment bleiben wird. Einer, an den ich mich noch sehr lange erinnern werde, und der mir Lust macht, öfter mal über meinen Schatten – oder eben aus einem Flugzeig zu springen.

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