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Warum Haltbarkeit bei der Verpackung beginnt
Wie Industriegase Lebensmittel schützen
© Oleksandra Umenko
Ob Fleisch, Käse oder belegte Sandwiches: Wie lange Lebensmittel frisch bleiben, hängt nicht nur von ihrer Lagerung ab. Auch die richtige Verpackung spielt eine entscheidende Rolle.
Messer Austria zeigt, wie spezielle Schutzgasatmosphären und moderne Kühltechnologien dazu beitragen können, die Haltbarkeit zu verlängern und Lebensmittelverluste entlang der Wertschöpfungskette zu reduzieren.
Lebensmittelverschwendung beginnt oft lange bevor wir zu Hause den Kühlschrank öffnen. Bereits in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion gehen in Österreich jährlich rund 288.800 Tonnen Lebensmittel verloren. Ein wichtiger Ansatzpunkt, um diese Verluste zu reduzieren, liegt dort, wo viele von uns kaum genauer hinsehen: bei der Verpackung, der Kühlung und der Lagerung.
Denn ob ein Lebensmittel seine Qualität über Tage oder sogar Wochen behält, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben Hygiene, Rezeptur und Kühlkette kann auch die Atmosphäre innerhalb einer Verpackung entscheidend sein. Hier kommen Industriegase ins Spiel, die Messer Austria für Anwendungen in der Lebensmittelindustrie bereitstellt.
Was Schutzgase mit frischen Lebensmitteln zu tun haben
Warum bleibt abgepacktes Fleisch im Supermarkt oft deutlich länger frisch als ein vergleichbares Stück Fleisch zu Hause? Und wie kann ein belegtes Sandwich über mehrere Wochen haltbar bleiben? Ein Teil der Antwort liegt in der sogenannten Modified Atmosphere Packaging (MAP), der Verpackung unter Schutzatmosphäre.
Dabei wird die gewöhnliche Luft in einer Verpackung durch eine gezielt abgestimmte Gasmischung ersetzt. Lebensmitteltaugliche Gase wie Kohlendioxid und Stickstoff können dazu beitragen, das Wachstum vieler Mikroorganismen zu verlangsamen und Oxidationsprozesse zu reduzieren. Je nach Lebensmittel und Verpackung lässt sich die Haltbarkeit dadurch deutlich verlängern. Bei rotem Fleisch kann beispielsweise Sauerstoff eingesetzt werden, um die gewünschte rote Farbe zu erhalten.
„Welche Gase dabei zum Einsatz kommen, hängt vom jeweiligen Lebensmittel und der Verpackung ab. Die Atmosphäre wird gezielt darauf abgestimmt, die gewünschte Qualität möglichst lange zu erhalten“, erklärt Lukas Ritter, zuständig für den technischen Vertrieb im Bereich Umwelt/Lebensmittel bei Messer Austria.
Von wenigen Tagen zu mehreren Wochen
Wie groß der Unterschied durch die richtige Verpackungsatmosphäre ausfallen kann, zeigen typische Anwendungsbeispiele aus der Lebensmittelindustrie. Die möglichen Haltbarkeitszeiträume variieren dabei je nach Produkt, Herstellungsbedingungen und Lagerung.
- Rohes Fleisch: Statt vier bis sieben Tagen sind unter Schutzatmosphäre etwa 16 bis 21 Tage möglich.
- Wurstwaren: Aus zwei bis vier Tagen können zwei bis fünf Wochen werden.
- Hartkäse wie Gouda oder Emmentaler: Statt zwei bis drei Wochen sind etwa vier bis zehn Wochen möglich.
- Snacks wie Erdnüsse oder Chips: Die Haltbarkeit kann sich von rund zwölf Wochen auf bis zu 52 Wochen verlängern.
- Belegte Sandwiches: Aus ein bis zwei Tagen können bis zu 28 Tage werden.
Diese Beispiele verdeutlichen, welches Potenzial in einer optimal abgestimmten Verpackung steckt. Eine längere Haltbarkeit lässt sich allerdings nicht pauschal garantieren. Sie hängt unter anderem von den Produkteigenschaften, der Rezeptur, der Verpackung, der Hygiene und einer durchgehenden Kühlung ab.
Mehr Zeit bedeutet weniger vermeidbare Verluste
Was hat eine längere Haltbarkeit mit Nachhaltigkeit zu tun? Eine ganze Menge. Denn wenn Lebensmittel verderben oder ihre gewünschte Qualität nicht mehr erreichen, gehen nicht nur die Produkte selbst verloren. Auch die Ressourcen, die bereits in ihre Herstellung, Verarbeitung, Verpackung, Kühlung und ihren Transport geflossen sind, werden damit teilweise vergeblich eingesetzt.
Eine längere Haltbarkeit kann das Zeitfenster zwischen Produktion, Verkauf und Konsum vergrößern. Lebensmittel bleiben dadurch unter geeigneten Bedingungen länger verfügbar und müssen möglicherweise seltener vorzeitig aussortiert oder ersetzt werden.
„Weniger Verderb bedeutet auch, dass weniger Lebensmittel ersetzt werden müssen, die bereits unter Einsatz von Ressourcen hergestellt und in die Regale gebracht wurden“, sagt Lukas Ritter.
Schutzgasverpackungen sind dabei kein Allheilmittel. Sie können einen wichtigen Beitrag leisten, müssen aber mit geeigneten Hygienemaßnahmen, der passenden Verpackung und einer zuverlässig eingehaltenen Kühlkette zusammenspielen. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht es, die Qualität von Lebensmitteln möglichst lange zu bewahren.
Auch beim Einfrieren zählt jede Sekunde
Industriegase unterstützen die Lebensmittelindustrie nicht nur beim Verpacken. Auch beim Kühlen, Tiefgefrieren, Lagern und Transportieren können sie dazu beitragen, die Qualität von Lebensmitteln zu erhalten.
Ein Beispiel ist flüssiger Stickstoff, der ein besonders schnelles Gefrieren ermöglicht. Unter geeigneten Bedingungen lassen sich dadurch die Struktur, der Geschmack und das Aussehen von Lebensmitteln möglichst gut bewahren. Auch für Kühl- und Tiefkühltransporte gibt es technische Lösungen, bei denen tiefkalte Industriegase zum Einsatz kommen.
Entscheidend bleibt dabei die Temperaturführung entlang der gesamten Lieferkette. Wird die erforderliche Kühlung zwischen Produktion und Verkauf nicht zuverlässig eingehalten, kann auch eine optimal abgestimmte Verpackung ihre Wirkung nicht vollständig entfalten.
Die passende Lösung für jedes Lebensmittel
Nicht jedes Produkt benötigt dieselbe Schutzatmosphäre oder dieselben Kühlbedingungen. Deshalb kommt es darauf an, die Eigenschaften des jeweiligen Lebensmittels zu verstehen und die technischen Prozesse entsprechend auszurichten.
Messer Austria unterstützt Lebensmittelhersteller bei der Auswahl geeigneter Gasgemische und bei der Umsetzung der Gasversorgung. Dabei werden die Anforderungen des Produkts ebenso berücksichtigt wie die Verpackung und die technischen Abläufe an der Verpackungslinie.
„Es geht nicht darum, einfach Gas in eine Verpackung zu geben. Entscheidend ist, welche Bedingungen das jeweilige Lebensmittel braucht und wie sich diese technisch zuverlässig umsetzen lassen“, erklärt Ritter.
Für Konsument bleibt diese Technologie meist unsichtbar. Ihr Nutzen kann sich jedoch im Alltag zeigen: in Lebensmitteln, die länger ihre gewünschte Qualität behalten, und in einem größeren Zeitfenster, um sie zu verkaufen und zu konsumieren, bevor sie verderben.
Weniger Lebensmittelverschwendung beginnt also nicht erst beim bewussten Einkauf oder bei der Resteverwertung. Sie beginnt bereits bei der Herstellung und der Frage, wie Lebensmittel bestmöglich geschützt werden können. Die richtige Verpackung, abgestimmte Schutzgase und eine zuverlässige Kühlkette können dazu beitragen, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen und vermeidbare Verluste entlang der Lebensmittelkette zu reduzieren.