Klosterbräu Seefeld Wiederaufbau nach Brand

Klosterbräu Seefeld: Mit Hoffnung und neuem Blick zurück

Am 1. Dezember 2026 soll das über 500 Jahre alte Traditionshaus wieder seine Türen öffnen.

7 Min.

© Birgit Pichler

Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brand im Hotel Klosterbräu in Seefeld laufen die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung auf Hochtouren. Familie Seyrling blickt auf bewegende Monate zurück – geprägt von Herausforderungen, Zusammenhalt und der Hoffnung auf einen Neuanfang.

Am 1. Dezember 2026 soll das über 500 Jahre alte Traditionshaus wieder seine Türen öffnen.

Eine Nacht, die alles verändert hat

Am 13. April 2026 brach im Dachstuhl des Hotel Klosterbräu in Seefeld ein Feuer aus. Über 14 Stunden lang kämpften bis zu 400 Einsatzkräfte gegen die Flammen, ehe schließlich „Brand aus“ gemeldet werden konnte. Das Traditionshaus stand zu diesem Zeitpunkt aufgrund von Umbauarbeiten und der Saisonpause leer. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Für Familie Seyrling war die Brandnacht dennoch ein Schock, den sie wohl nie vergessen wird. „Zuerst war da nur der Gedanke: Hoffentlich kommt niemand zu Schaden“, erzählt Alois Seyrling. Besonders erleichtert war die Familie, als feststand, dass auch die 97-jährige Oma, die im Hotel wohnt, in Sicherheit war und es allen Einsatzkräften gut ging. Erst danach wurde langsam bewusst, welches Ausmaß die Katastrophe für das Zuhause und das Lebenswerk der Familie hatte.

Gleichzeitig blieb vor allem eines in Erinnerung: die enorme Hilfsbereitschaft. „Besonders in Erinnerung geblieben sind uns aber auch die unglaubliche Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt im gesamten Ort“, so Alois Seyrling. Seefeld rückte in dieser schwierigen Zeit eng zusammen.

Zusammenhalt als Fundament

Kraft schöpfte die Familie vor allem aus den Menschen, die sie in den vergangenen Monaten begleitet haben. Familie, Mitarbeiter:innen und die Community in Seefeld wurden zu einer wichtigen Stütze. „Ganz klar die Menschen um uns herum“, sagt Agnes Seyrling.

Auch innerhalb des Teams wurde bewusst Raum für Begegnung geschaffen. Monatliche Mitarbeiterevents sollen dabei helfen, Zeit miteinander zu verbringen – nicht nur bei der Arbeit, sondern auch beim Reden, Lachen und gemeinsamen Erleben. Gerade nach den vergangenen Monaten sei noch einmal deutlich geworden, wie wertvoll dieses Miteinander ist.

Was vom Klosterbräu geblieben ist

Trotz der massiven Schäden konnte vieles gerettet werden. Dazu zählen unter anderem der Weinkeller, das alte Gewölbe und der Wellnessbereich. Auch das Haupthaus mit der Hälfte der Zimmer sowie die angrenzende Kirche blieben erhalten.

Für Alois Seyrling bedeutet das viel mehr als die Rettung einzelner Gebäudeteile. „Es war mehr als knapp, und genau deshalb sind wir heute unglaublich dankbar dafür.“ Natürlich sehe man zunächst all das, was Feuer und Löschwasser zerstört haben. Mit etwas Abstand verändere sich jedoch der Blick: Dann werde sichtbar, wie viel geblieben ist – die Geschichte, die alten Mauern und vieles von jenem Flair, das das Klosterbräu seit jeher ausmacht.

Genau darauf möchte die Familie aufbauen und das Haus gleichzeitig weiterentwickeln.

Ein schwieriger Weg für das Team

Eine der größten Herausforderungen der vergangenen Monate war auch der Umgang mit den rund 150 Mitarbeiter:innen. Nicht alle konnten während des Wiederaufbaus weiterbeschäftigt werden. Knapp 80 Kolleg:innen blieben jedoch in unterschiedlichen Bereichen im Einsatz – als sogenanntes „Team Phoenix“.

Ob bei der Schadensbehebung, in der Administration, im Pop-up-Restaurant oder auf der Alm: Viele Mitarbeiter:innen tragen weiterhin dazu bei, dass das Klosterbräu Schritt für Schritt zurückkehrt. Einige Kolleg:innen konnten zudem in der Region vermittelt werden und wohnen weiterhin im Mitarbeiterhaus des Klosterbräu.

Dass nur wenige Menschen das Unternehmen verlassen haben, bedeutet der Familie viel. „Dieses Vertrauen bedeutet uns enorm viel, und das ist das echte Fundament unserer Zukunft“, betont Alois Seyrling.

© Birgit Pichler

Phoenix: Ein Zeichen des Neuanfangs

Mit dem Pop-up-Restaurant „Phoenix“ ist bereits wieder Leben in den Bräukeller eingekehrt. Für die Familie Seyrling ist das Projekt weit mehr als ein gastronomisches Zwischenkapitel. „Es war ein Zeichen: Wir sind noch da.“

Das Phoenix ermöglichte es, Arbeitsplätze zu schaffen, dem Team wieder ein Stück Gastronomie-Alltag zu geben und vor allem eines zu tun, was das Klosterbräu seit jeher auszeichnet: Gastgeber zu sein.

Gleichzeitig wurde das Pop-up zur kreativen Spielwiese für den neuen Küchenchef Akwasi Yeboah. Neue Gerichte konnten entwickelt, Ideen ausprobiert und direktes Feedback von den Gästen gesammelt werden. Einige dieser Impulse könnten künftig auch im neuen Klosterbräu ihren Platz finden. Gleichzeitig bleiben die beliebten Bräukeller-Klassiker Teil der kulinarischen Identität.

Damit ist das Phoenix auch ein Vorgeschmack auf die gastronomische Weiterentwicklung des Hauses.

Klosterbräu Seefeld Wiederaufbau nach Brand
© Birgit Pichler

Ein neues Klosterbräu – und doch unverkennbar

Am 1. Dezember 2026 soll das Klosterbräu wieder seine Türen öffnen. Was die Gäste zur Wiedereröffnung erwartet, möchte die Familie noch nicht vollständig verraten. „Es wird vieles neu, manches überraschend anders – und trotzdem unverkennbar Klosterbräu“, kündigt Alois Seyrling an.

Noch sind einige Entscheidungen nicht final getroffen. Die Familie möchte sich die Spannung bis zur Wiedereröffnung bewahren. Am meisten freut sie sich jedoch auf den Moment, in dem wieder Leben in das Haus einzieht.

Und damit soll das Klosterbräu wieder zu dem werden, wofür es einst gebaut wurde: ein Ort, an dem Menschen beherbergt und willkommen geheißen werden.

See, Fels und Naturbadeteich: Raum für Ruhe

Auch die ursprünglich für dieses Jahr geplanten neuen Projekte sollen Teil der Zukunft des Klosterbräu werden. Dazu gehört der Adults-only-Spa „See.Fels“, der für Agnes Seyrling ein ganz persönliches Herzensprojekt ist.

Klosterbräu Seefeld Wiederaufbau nach Brand
© Birgit Pichler

Entstehen soll ein Ort, an dem Gäste noch mehr zur Ruhe kommen, sich zurückziehen und einfach einmal nichts müssen. Naturholz, Stein, Wärme und Ruhe treffen dabei auf den Blick in die Tiroler Bergwelt.

Ein weiteres Highlight ist der rund 50 Meter lange Naturbadeteich mitten im Garten. Für Agnes Seyrling ist er ein Ort, an dem man die Zeit vergessen kann. Entsprechend groß ist die Vorfreude, bald selbst darin einzutauchen.

Dankbarkeit und ein neuer Blick nach vorne

Die vergangenen Monate haben den Blick der Familie auf das Klosterbräu und auf das eigene Leben verändert. Was früher selbstverständlich war, wird heute bewusster wahrgenommen. Gleichzeitig hat die Familie erlebt, wie stark ein Unternehmen sein kann, wenn die Menschen dahinter zusammenhalten.

Der Wiederaufbau wird genutzt, um das Klosterbräu technisch, organisatorisch und administrativ weiterzuentwickeln. Bei allen Veränderungen soll jedoch eines unbedingt erhalten bleiben: die Seele des Hauses.

Denn eine Erkenntnis hat sich für Familie Seyrling in den vergangenen Monaten besonders gefestigt: Die Wärme eines Gebäudes entsteht nicht allein durch seine Mauern. Erst die Menschen, die darin arbeiten, leben und zu Gast sind, erwecken einen Ort zum Leben – mit Persönlichkeit, Emotion und echter Gastfreundschaft.

Am 1. Dezember 2026 soll dieses Leben im Klosterbräu wieder zurückkehren.

Mehr zur Autorin dieses Beitrags:

Tjara Marie Boine Tirolerin
© Birgit Pichler

Tjara-Marie Boine ist Redakteurin für die Ressorts Business, Leben und Kultur. Ihr Herz schlägt für Katzen, Kaffee und Kuchen.

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