Portrait von COSMÓ mit ausgestreckten Händen in Richtung Kamera und zugezwinkertem Auge.

COSMÓ im Interview: Direkt, reflektiert und mit klaren Gefühlen

Er wirkt, als wäre er schon immer da gewesen. Und doch erzählt der erst 19-jährige COSMÓ von einem Weg, der von Visionen und viel Disziplin geprägt ist. Ein Gespräch über Herkunft, Erwartungen und den Mut, sich selbst treu zu bleiben.

7 Min.

© Barbara Amon

Die Lobby der Superbude in Wien ist ein Ort, an dem Geschichten entstehen dürfen: warme Farben, verspielte Details, ein Hauch Retro und trotzdem ganz viel Gegenwart. Genau hier sitze ich mit COSMÓ, entspannt zurückgelehnt in gemütlichen Sesseln, die zum Lümmeln einladen – und schnell kommt mir der Gedanke: „Der soll echt erst 19 sein?“ Das Gespräch begleitet von Beginn an eine Dynamik, die leicht wirkt und gleichzeitig tief geht. Seine Antworten sind authentisch und wirken nicht einstudiert. COSMÓ spricht so, wie er auch auftritt: direkt, reflektiert und mit einem klaren Gefühl für das, was er sagen will.

COSMÓ im Interview

Es wirkt so, als hättest du nie etwas anderes gemacht, als vor der Kamera zu stehen und mit Medien zu sprechen. Wie authentisch ist das für dich?
COSMÓ: Ich rede halt wie immer. Es wäre super anstrengend, mich zu verstellen oder ein bestimmtes Bild erzeugen zu wollen. Schon bei The Voice Kids habe ich gelernt, dass es um die Geschichte geht. Menschen interessieren sich für Storys. Ich schaue, dass ich nicht einfach drauflosrede, sondern etwas erzähle, das wirklich passiert ist. 

Wie gehst du mit Erwartungen um – von außen und von dir selbst?
Druck entsteht nur, wenn ich unsicher bin. Wenn ich weiß, was ich sagen will und welche Message ein Song hat, dann bleibt der Fokus klar. Ich will am 16. Mai vor 160 Millionen Menschen den bestmöglichen Auftritt liefern. Ich arbeite viel mit Zielen, schreibe sie auf, habe ein Vision-Board. Das ist wie ein Fotoalbum von dem, was ich erreichen möchte. Und oft ist es gruselig, wie wahr das manchmal wird.

Chefredakteurin Nicole Schlaffer mit COSMÓ in der Superbude in Wien.
Weltoffen: Chefredakteurin Nicole Schlaffer mit COSMÓ in der Superbude in Wien. © Barbara Amon

Was passiert, wenn sich etwas, das du dir vorgestellt hast, nicht erfüllt?
Dann war es trotzdem gut, weil ich alles gegeben habe. Am Ende zählt die Einstellung: Der Weg ist das Ziel.

Woher kommt diese Haltung?
Von meinen Eltern. Meine Mama war sehr sportlich, mein Bruder und ich haben früh mit Triathlon angefangen. Disziplin war immer wichtig, genauso wie Visualisierung. Vor einem Wettkampf alles durchgehen, sich vorstellen, wie es läuft – das habe ich von ihr.

Deine Mutter ist gebürtige Ungarin, dein Vater Deutscher, du bist in Budapest geboren, mit zwei Jahren ins Burgenland gezogen und lebst jetzt in Wien – eine gute Mischung?
Am Anfang war es schwierig. Ich habe Hochdeutsch gesprochen und wurde oft gefragt, warum ich keinen Dialekt rede. Ich hatte immer das Gefühl, ein bisschen anders zu sein. Seit ich nun unter der Woche alleine lebe, habe ich gemerkt: Zuhause ist nicht der Ort, an dem man geboren wird. Zuhause ist das, was man sich selbst aufbaut – mit den Menschen, die man um sich hat. ­COSMÓ steht für „cosmopolitan“. Diese Offenheit prägt auch meine Musik.

Der blaue Stern – was bedeutet er?
Er sieht einfach cool aus. Gleichzeitig hilft er mir, in eine Rolle zu schlüpfen. Benjamin ist eher ruhig und schüchtern und der Student, der in der Vorlesung sitzt. COSMÓ lässt auf der Bühne die Sau raus. Ich bin beides, nur das Verhalten ist anders.

Diskussion ist okay, aber Hass nicht.

Dein Tanz geht viral. Gleichzeitig kam auch eine scharfe Welle an Hass und Kritik. Wie gehst du damit um?
Die letzten Wochen waren die schönsten meines Lebens. Ich habe so viele positive Dinge erlebt und so viele liebevolle Menschen getroffen, dass ich mich darauf konzentriere. Und ich bin so aufgewachsen, dass das Internet ein seltsamer Ort sein kann und dass es oft fern von der Realität ist. Ich finde es zwar schön, dass dort jeder seine Meinung präsentieren kann – und Diskussion ist okay, aber Hass nicht. Gerade für junge Menschen ist das ein Thema, an dem wir arbeiten sollten.

Was bedeutet dir „Tanzschein“?
Zu sehen, wie Schulklassen, Tanzschulen oder sogar ein Krankenhaus dazu tanzen – das ist das Schönste. Genau darum geht es: Menschen zusammenbringen und den Alltag vergessen lassen.

Wie hat sich deine Musik seit The Voice Kids verändert?
Am Anfang ging es nur ums Singen, danach kam die Frage: Wer bin ich als Künstler? Ich habe viel ausprobiert, auch englische Songs gemacht, dabei viel mit mir gerungen, aber das musste alles raus. Letztes Jahr kam dann der Stilwechsel: neuer Name, der blaue Stern. Da war plötzlich eine klare künstlerische Identität da.

Was hörst du privat?
Billie Eilish finde ich sehr inspirierend, vor allem ihren Werdegang. Auch Cro begleitet mich schon sehr lange, ich finde ihn supercool. Und Tame Impala auch, weil er sich anhört wie eine ganze Band, dabei spielt er das alles selbst ein und produziert es auch selbst. Das kommt authentisch und ehrlich rüber, so möchte ich auch arbeiten.

Wie bleibst du bei dir, wenn alles rundherum stressig ist?
Ich habe ein großartiges Team rund um mich, das mir Halt gibt. Und ich fahre an den Wochenenden nach Hause ins Burgenland. Dort bin ich einfach ich. Meine Mama macht Risotto und sagt mir, dass meine Haare bei dem letzten Interview nicht so gut ausgeschaut haben, und wir lachen, alles ist normal.

Du hast dein Studium nun für vorerst ein Jahr auf Eis gelegt. Wie fühlt sich das an?
Der Plan war eigentlich Zahnmedizin. Aber die letzten Wochen haben alles verändert. Ich mache Dinge gerne zu hundert Prozent – deshalb liegt der Fokus jetzt auf der Musik.

Gibt es sonst noch etwas, das gerade zu kurz kommt?
Mein Dating-Leben existiert gerade so gut wie nicht (lacht). Aber das Alleinsein hat mir viel gebracht. Ich habe gelernt, mit mir selbst klarzukommen und mich selbst zu finden. Aber ich bin wahrscheinlich noch lange nicht am Ende der Selbstentdeckung – und wenn ich was kochen muss und eine Frage hab, dann ruf ich immer noch die Mama an (lacht).

Was kommt als Nächstes?
Es liegen viele Songs in der Schublade. Ich kann so viel verraten: Es bleibt deutsch, es bleibt COSMÓ. Und ich wünsche mir, dass Menschen auch nach dem ESC Lust auf meine Musik haben und auch auf Überraschungen gespannt sind.

Benjamin Gedeon alias Cosmó

  • Geb. am 18. Juni 2006 in Budapest
  • 2008 nach Österreich ins Burgenland gezogen
  • Lebt unter der Woche in Wien und am Wochenende in Halbturn
  • Begann Studium für Dentalmedizin, das er gerade auf Eis gelegt hat
  • 2020 war er das erste Mal bei The Voice Kids und schied nach der zweiten Runde aus. 2022 nahm er wieder teil und schaffte es ins Finale.
  • 2021 gewann er als bester Singer-­Songwriter einen burgenländischen Musik-Wettbewerb
  • Im Februar 2026 trat er bei „Vienna Calling – Wer singt für Österreich?“ mit „Tanzschein“ an und gewann die Show mit der Höchstpunktezahl des Publikums
  • Mit der letzten Startnummer (25) tritt er am 16. Mai beim Eurovision Song Contest für Österreich an

Das könnte dich auch interessieren:

Abo

Die TIROLERIN – immer mit dabei

×