Emotional, kraftvoll und ehrlich – so lässt sich der Sound der Waldviertler Band „Bad Ida“ beschreiben. Wir haben Sängerin Ines Dallaji zum Interview getroffen.
Waldviertler Garage Soul: Wer ist “Bad Ida”?
Sie kennen sich bereits seit über 20 Jahren: Die kreativen Köpfe hinter der Band sind Gitarrist, Bassist und Produzent Alexander Lausch, Multiinstrumentalist Marc Bruckner sowie Sängerin Ines Dallaji. Schon in ihrer Jugend im Waldviertel setzten die drei gemeinsam Musikprojekte um, etwa als Coverband beim Musikfest Waidhofen an der Thaya. Während der Lockdowns entstand schließlich „Bad Ida“ und das erste Album der Band. Seit 2022 ist Bad Ida regelmäßig live in Österreich und Deutschland zu erleben. Mit „Ending Things“ folgt nun das zweite Album, das einen kraftvollen Grundgedanken trägt: Die Entscheidung, Dinge zu beenden, kann schmerzhaft sein, eröffnet jedoch Raum für Wachstum und Neubeginn. Sängerin Ines Dallaji über das Musikprojekt, ihr Alter Ego und das Loslassen.
Wer ist „Bad Ida“?
Ines: „Bad Ida“ ist quasi mein Alter Ego. Mittlerweile ist es aber der Name für die ganze Band. Ich habe dieses Alter Ego kreiert, weil ich einen Gegenpol zu meiner Persönlichkeit schaffen wollte. „Bad“ steht jetzt nicht für schlechte Musik (lacht), sondern soll mir erlauben, aus meiner Komfortzone rauszukommen und mich rauszutrauen.
Euren Stil bezeichnet ihr als „Garage Soul“, was kann man sich darunter vorstellen?
Die Musik ist soulig, bedingt durch die Stimme, die Melodien, vielleicht auch durch den persönlichen Inhalt, aber sie hat auch sehr rockige Elemente. Das Label hat diesen Begriff kreiert, weil er stilistisch zusammefasst, was alles in unserer Musik steckt. Mittlerweile würde ich sagen: Wären wir in den USA, würde man unseren Stil wahrscheinlich als „Americana“ bezeichnen, da dafür typische Elemente wie Blues, Rock, Folk, ein bisschen Country und auch etwa R&B-Soul in unserer Musik stecken.
In eurem neuen Album „Ending Things“ gibt es ein ganz klares Thema …
Es geht darum, Dinge zu beenden und abzuschließen. Die Conclusio des Albums – deshalb ist „Ending Things“ auch die letzte Nummer am Album – ist, dass es im Leben immer irgendwie weitergeht. Damit es jedoch weitergehen kann, braucht es manchmal einen Abschluss. Das heißt, man erkennt vielleicht, dass man auf einem falschen Weg ist, und um wieder auf den richtigen oder einen neuen, besser passenden Weg zurückzufinden, muss man Dinge abschließen. Das ist, glaube ich, die Hauptessenz. Es geht aber nicht nur generell ums Dinge beenden, sondern zum Beispiel auch darum, Ängste loszuwerden, toxische Beziehungen zu beenden oder um das Ende des Lebens.
Hast du einen Lieblingssong auf dem neuen Album?
Mein persönlicher Lieblingstitel war lange „Remember My Love For You“, weil der für mich eine Art Querschnitt durch verschiedene Jahrzehnte der Popmusik bietet, aber doch wieder ganz eigen ist – also unserem Stil entsprechend – und meiner Meinung nach Hitpotenzial hat.
Ines Dallaji
Alle meine Songtexte haben einen starken persönlichen Bezug, da sie entweder auf Erlebtem basieren oder meine Gedanken reflektieren.
Wie viel Persönliches von euch steckt in euren Songs?
Alle meine Songtexte haben einen starken persönlichen Bezug, da sie entweder auf Erlebtem basieren oder einfach meine Gedanken reflektieren – zum Thema Umweltzerstörung und unserem Umgang mit der Welt zum Beispiel. Oder zum Thema Tod. Das Lied über den Tod, „I Still Miss You“, ist eigentlich für meinen Großvater. Es ist alles sehr persönlich, aber ich versuche es so zu formulieren, dass jeder anknüpfen kann.
Mit wem würdet ihr gerne einmal im Studio oder auf der Bühne stehen?
Momentan versuchen wir, auf der Burg Clam einen Support-Slot zu ergattern, für das Konzert von Nick Cave zum Beispiel. Wir bemühen uns schon seit einiger Zeit darum, dort einmal im Vorprogramm eines bekannten internationalen Acts auftreten zu dürfen. Aber generell bin ich immer so bescheiden, ich würde mich nicht trauen, Idole anzufragen, um mit ihnen zu musizieren. In meiner Fantasie würde ich aber gerne einmal ein Duett mit Jon Cleary singen.
Was war eines eurer größten Band-Highlights?
Dass wir vergangenes Jahr den Tourauftakt am Musikfest in Waidhofen spielen durften, wo wir auch die CD von „Ending Things“ zum ersten Mal mitgehabt haben und das Programm in unserer Heimat beim Festival vor ein paar hundert Menschen aufführen durften. Das war auf jeden Fall ein Highlight für uns!
Was verbindest du mit Niederösterreich?
Niederösterreich ist natürlich meine Heimat, da ich aus dem Waldviertel komme. Dort hat mich vor allem die örtliche Musikszene stark geprägt. Ohne diese Musikszene, die es damals gab – damit meine ich die 90er- und 00er-Jahre während meiner Jugend, das war eine sehr blueslastige Szene mit wirklich super Musikerinnen und Musikern – würde ich heut keine Musik machen. Die damalige Infrastruktur mit der Musikschule, mit Auftrittsmöglichkeiten, mit älteren Musikerinnen und Musikern, die jüngere gefördert haben, war extrem wichtig für meine Entwicklung.
Wenn du jungen Musikerinnen und Musikern etwas mit auf den Weg geben könntest, was wäre das?
Für mich persönlich hat es extrem lange gedauert, bis ich mich getraut habe, zu meinem Stil, meinem Musikgeschmack und meiner Persönlichkeit als Musikerin zu stehen. Ich würde mir wünschen, dass es für andere Menschen, die diesen musikalischen Weg einschlagen wollen, nicht so lange dauert, und dass es bei uns in Österreich, Niederösterreich oder wo auch immer, selbstverständlicher wird, sich kreativ auszudrücken und keine Angst davor zu haben, mit der eigenen Kunst auf Menschen zuzugehen. Ich wünsche mir, dass solche Dinge mehr gefördert werden.
Tourdaten von Bad Ida:
- 19.2.2026 Dachbodentheater, Bruck/Mur
- 20.2.2026 Music-House Graz (mit The Ghost And The Machine)
- 8.3.2026 Vinyl & Music Festival Wien
- 13.3.2026 Hildegard Bar, Kirchdorf/Krems
- 14.3.2026 Schlot Linz
- 10.4.2026 Zentral Kino Wr. Neustadt (mit The Ghost And The Machine)
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